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Home >  Kultur und Gesellschaft  > Artikel von 2013-05-09 12:43:09
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Kenia: „Gute Katholiken benutzen Kondome“?



RealAudioMP3 „Gute Katholiken benutzen Kondome“: Dieser Slogan erscheint in diesen Tagen überall in Kenia auf Plakaten und in Zeitungsanzeigen. Dahinter steckt keine kenianische, sondern eine US-Gruppe: „Katholiken für freie Wahl“ nennt sie sich, und die US-Bischöfe hatten schon öfters Ärger mit ihr, sprechen ihr jeden katholischen Charakter ab und sehen sie als „verlängerten Arm der Abtreibungslobby“.

Die kenianischen Bischöfe sind aufgebracht über die landesweiten Anzeigen, sie fürchten, einfache Menschen auf dem Land könnten tatsächlich glauben, dass die katholische Kirche jetzt auf einmal Kondome empfehle. „Katholiken sind für das Leben und nicht für freie Wahl“, betonte Kardinal John Njue, Erzbischof von Nairobi und Präsident der kenianischen Bischofskonferenz, am Mittwoch vor der Presse. Wörtlich heißt es auf den Plakaten, die ein lächelndes Paar zeigen: „Wir glauben an Gott. Wir glauben, dass Sex heilig ist. Wir glauben an die Liebe. Wir glauben an den Gebrauch von Kondomen.“ Kardinal Njue: „Wir stehen in Gemeinschaft mit der Weltkirche und distanzieren uns vollständig von diesen Anzeigen! Wir raten allen Katholiken und allen, die an die Heiligkeit des Lebens und die Würde des Menschen glauben, die Anzeigen zu ignorieren.“ Die US-Gruppe mache sich offenbar einen Spaß daraus, die Sexuallehre der katholischen Kirche und ihre Aufrufe zu einer verantwortlich gelebten Sexualität ins Zwielicht zu rücken, so der verärgerte Kardinal. „Ich erinnere daran: Wer an die moralische Ader einer Nation rührt, der zerstört die Nation!“ Er verlange, dass die Plakate bis Sonntag verschwänden, so Njue.

Etwa anderthalb Millionen der Kenianer sind, nach UNO-Angaben, HIV-positiv. Das Thema Kondome ist unter kenianischen Katholiken heftig umstritten; es hat vor Jahren auch schon einmal eine kirchlich organisierte Kondome-Verbrennung im Uhuru-Stadtpark von Nairobi gegeben. Kardinal Njue: „Die Haltung der katholischen Kirche zum Gebrauch von Kondomen hat sich nicht geändert!“ Ende März hatte das Thema Kondome schon einmal die Gemüter entzündet: Diese Fernsehwerbung auf Suaheli riet verheirateten Frauen zum Gebrauch von Präservativen. In Auftrag gegeben hatten sie Aids-Aktivisten aus den USA und Großbritannien. „Wir wissen doch, dass eine große Zahl nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen Verhältnisse haben“, sagte Peter Cherutich vom Nationalen Kenianischen Zentrum für Aids-Kontrolle der BBC. „Untreue, wie Sie das nennen würden, ist eine Realität, mit der wir es in diesem Land zu tun haben.“ Trotzdem, auf den Protest religiöser Gruppen hin wurde die umstrittene Werbung abgesetzt. „Die Tatsache, dass eine Mutterfigur in dieser Werbung eingesetzt wurde, machte alles schlimmer“, erklärte eine Kenianerin in einer BBC-Umfrage. „Mütter stehen für Familie und für die Erziehung von Kindern, wie die sich moralisch in der Gemeinschaft verhalten sollten.“

Die US-Gruppe „Katholiken für freie Wahl“ erklärt, genau dieser Streit um die Fernsehwerbung habe sie bewogen, in Kenia zu plakatieren. Ähnliche Aktionen habe man mit Partnern vor Ort auch schon in Südafrika und Simbabwe durchgeführt – um nur afrikanische Länder zu nennen. Aids ist in vielen afrikanischen Ländern, auch in Kenia, mit einem Tabu behaftet: Man redet nicht darüber. In ihrem Widerstand gegen plumpe Kondomwerbung sind sich in Kenia alle großen Kirchen einig. Joseph Warungu etwa, der Aids-Koordinator der anglikanischen Kirche des Landes, sagt: „Als Kirche predigen wir Treue innerhalb der Ehe!“


(rv/bbc 09.05.2013 sk)


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