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Home >  Kirche  > Artikel von 2013-06-20 13:26:37
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Akzentverschiebungen und Reformanstöße nach 100 Tagen Franziskus



85 Prozent der Italiener vertrauen ihm – dem Nachfolger Benedikts XVI.. Das ergab eine Umfrage des Demoskopie-Instituts „Demopolis“, wonach es unter den italienischen Katholiken sogar 96 Prozent sind. Seit nunmehr 100 Tagen hat die katholische Kirche mit Papst Franziskus einen neuen Pontifex (deutsch: Brückenbauer) an ihrer Spitze. Von dem am 13. März gewählten „Brückenbauer“ ist die theologische Brücke zu seinem Vorgänger, Benedikt XVI., nach Meinung von Maximilian Heim ausgesprochen kurz. Der Abt aus Heiligenkreuz stellt heraus: „In der Intention sind beide gleich, wenn auch die jeweiligen Lebenskontexte ganz unterschiedlich sind.“ „Fast bis ans Ende der Welt“ seien die Kardinäle bei seiner Wahl gegangen, so Papst Franziskus selbst über seine lateinamerikanische Herkunft. Aus dieser Herkunft resultiere der „unverkrampft direkte“ Stil des neuen Papstes, sagt auch der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück. Seine theologischen Äußerungen etwa zum Lebensschutz zeigten aber, wie sehr Franziskus dem „deutschen Papst emeritus“ nahestehe.

Tück spricht lieber von einer „Akzentverschiebung“: Dass Franziskus beispielsweise Gerechtigkeitsfragen größere Bedeutung beimesse, während Benedikt stärker auf die Frage nach der Wahrheit setzte, liege am lateinamerikanischen Kontext der Befreiungstheologie bzw. der Theologie des Volkes. Von hierher rühre Franziskus’ authentisch vorgelebte „Option für die Armen“. „Im Glauben ist das Vorbild entscheidend. Was nützen große Worte, wenn das Zeugnis fehlt?“, fragt der Guardian des Wiener Franziskaner-Klosters, Gottfried Wegleitner, und setzt die Antwort gleich hinzu: Franziskus sei ein authentisches „Vorbild für einen gelebten Glauben“. Durch seine Bescheidenheit „ist der Name ‚Franziskus’ tatsächlich zum Programm geworden“, die den „eigentlichen Reichtum“ des Glaubens aufscheinen lasse.

Mit solchen Akzentverschiebungen hat Franziskus nach Meinung von „Wir sind Kirche“ „keinen dogmatischen, sondern einen pastoralen Leitungsstil gezeigt“. In einer am Mittwoch in Innsbruck und München verbreiteten Erklärung lobt die kritische Bewegung „die einfachen, aber starken Gesten des barmherzigen und gütigen Dienstes“ von Franziskus in seinen ersten 100 Tagen als Papst. Das gebe Hoffnung, dass sich auch die Haltung der Kleriker und all jener verändern werde, „die noch an überholten Formen religiöser Praxis“ festhielten. Man appelliere an Franziskus, er möge seiner Linie trotz des Widerstandes „aus der Kurie und von etablierten kulturellen und wirtschaftlichen Interessen“ treu bleiben. Die Präsidentin der „Katholischen Aktion Österreich“ (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, sieht hierfür aber noch keinen Grund zur Sorge. Sie betont, dass Franziskus selbst von den Priestern gefordert habe, mit dem „Geruch der Schafe“ inmitten ihrer Herde zu leben. Darin sieht einen „ermutigenden Anfang für ein neues Miteinander von Klerikern und Laien“.

„Einen Weg der Geschwisterlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens“ hat das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, an diesem Donnerstag genannt. Für den Dogmatiker Tück wird diese Geschwisterlichkeit konkret in der Einberufung einer Kardinalskomission zur Kurienreform. „Franziskus macht offenbar mit der Idee der Kollegialität ernst und will die Kurienreform ernsthaft angehen.“ Ecclesia semper reformanda – die Kirche erneuert sich ständig, ruft auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker aus Österreich aus der eigenen Kirchenvergangenheit ins Bewusstsein und wünscht Franziskus „nur das Beste für seine Reformanliegen“.

(kap/kna 20.06.13 sib)


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