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Home >  Kultur und Gesellschaft  > Artikel von 2013-07-01 15:23:14
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Kroatien: „Mehrheit sieht Beitritt nüchtern“



RealAudioMP3 Die Mehrheit der kroatischen Bevölkerung sehe den aktuellen Beitritt des Landes zu EU nach den langen Jahren des Wartens nun eher nüchtern – das sagt Alojz Ivanišević im Interview mit Radio Vatikan. Der gebürtige Kroate ist Professor für Osteuropäische Geschichte an der Uni Wien und erzählt über die Stimmung im Land und über die größten Herausforderungen für die Zukunft.

„Die letzten Meinungsumfragen sagen, dass zwischen 42 bis 45 Prozent (der Kroaten, Anm. d. Red.) den Beitritt für gut halten. Früher waren es noch viel mehr, denn man hatte sich natürlich sehr viel erwartet von der EU – heute sieht man das Ganze sehr nüchtern. Die Stimmung ist so, dass die Wirtschaft im Vordergrund steht, weil es so viele Arbeitslose gibt, etwa unter Jugendlichen – das sind die wirklichen Probleme.“

Ivanišević sieht Kroatien noch nicht im Schoß der Europäischen Union angekommen. Auch er benennt als „größte Baustellen“ des neuen Beitrittslandes die Korruption und die schwächelnde Wirtschaft. Innerhalb der kroatischen Gesellschaft sieht er zudem eine starke Polarisierung – einige nationalistische Kräfte seien noch nicht bereit, sich einer gemeinsamen Zukunft in Europa zu öffnen.

„Es wird sehr häufig gesagt, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung in Kroatien schon Europa zugehörig fühlt, dass man seit Jahrhunderten enge kulturelle Verbindungen zu Mittel- und Westeuropa hat. Ich glaube allerdings, das Problem ist, dass man zu sehr in die Vergangenheit schaut, zu sehr zurückschaut und sich zu wenig die Gegenwart vor Augen hält. Denn das Europa vor einem oder zwei Jahrhunderten hat ganz anders ausgesehen als heute.“

Kroatiens katholische Kirche begrüßt offiziell den EU-Beitritt. Voll einverstanden mit dem pro-europäischen Kurs der Regierung sei sie jedoch mitnichten, so Ivanišević.

„Es gibt ein großes Problem: Die kroatische Kirche bekennt sich zu Europa, zum christlichen Europa, aber sie opponiert sehr stark gegen das, was heute in Europa geschieht oder was heutige europäische Werte sind. Diese bezeichnen sie als ,entchristliches Europa’ und von dem distanzieren sie sich stark. Mit anderen Worten: Mit dieser pluralistischen, säkularen Gesellschaft kann die heutige Kirchenführung in Kroatien nicht viel anfangen.“

Widerstände im eigenen Land haben laut Ivanišević zu einer „kulturkampfähnlichen Stimmung“ in Kroatien beigetragen, wie es der Beobachter formuliert. Zusätzlich zu den politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen habe das 28. EU-Mitgliedsland so in der eigenen Gesellschaft erst noch viele Gräben zu überwinden.

(rv 01.07.2013 pr)


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