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Home >  Wissenschaft und Ethik  > Artikel von 2013-07-02 11:03:16
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D: Premiere am Lehrstuhl für Medienethik in München



RealAudioMP3 Der Inhaber des bundesweit ersten Lehrstuhls für Medienethik mit philosophischem Schwerpunkt steht fest: Der Sozialethiker und Theologe Alexander Filipović wird ab September 2013 als Professor die Leitung der neuen Einrichtung an der Hochschule für Philosophie München übernehmen. Neben Grundsatzfragen der Politischen Philosophie und Medienethik befasst sich der 38-Jährige insbesondere mit ethischen Herausforderungen, die mit der Digitalisierung öffentlicher Kommunikation verbunden sind. Am 30. Oktober wird er sein Forschungs- und Lehrkonzept im Rahmen eines Festakts zur Eröffnung des Lehrstuhls präsentieren. Im Interview mit Radio Vatikan gab der Wissenschaftler bereits einen Ausblick auf die Fragen, die er mit seinen Studenten behandeln wird:

„Die Ethik muss bemüht sein, den Gegenstand, mit dem sie beschäftigt ist, zu durchdringen und neu zu betrachten. Wir können nicht mit den guten alten Kriterien arbeiten, wie Wahrheit, Authentizität, Ehrlichkeit, und diese auf neue Formen der Kommunikation anwenden. Wir müssen beispielsweise untersuchen, was bedeutet Authentizität eigentlich bei Facebook? Wie bauen Menschen hier ihre Identität? Sind denn da noch die gleichen Kriterien anwendbar wie beispielsweise bei Kommunikation vor 15 Jahren?“

Die Möglichkeit der Publikation via Internetblog, Twitter und Facebook hebele die Aufgabe professioneller Journalisten aus, als Prüfer der Informationen zu fungieren. Beispielsweise sei heute jeder Mensch in der Lage, gefälschte Bilder zu publizieren, was auch die Urteilsfähigkeit des Konsumenten herausfordere. Aufgabe des neuen Lehrstuhls sei es nun, Möglichkeiten zur Ausbildung, aber auch zur Reflektion zu bieten.

„Es ist natürlich beides und der Knackpunkt ist, wie beides miteinander in Zusammenhang gebracht wird. Ich denke, wenn wir – und das ist der erste Anspruch eines solchen Lehrstuhls - praktisch wirksam werden wollen, wenn wir irritieren wollen, wenn wir Einstellungen und Meinungen auch verändern wollen, dann kann das nur auf der Basis einer wirklich gründlichen wissenschaftlich-philosophischen Arbeit über die Themen sein.“

Die Krux der Ethik, so der neu ernannte Professor, sei es, dass sie mit dem Menschen in Zusammenhang stehende Probleme in der Regel erst dann beleuchte, wenn diese sich bereits manifestiert hätten. Doch mit der richtigen Herangehensweise könnte die Medienethik sich durchaus neue Horizonte erschließen:

„Ethik kommt immer dann ins Spiel, wenn man feststellt, es gibt Probleme, die uns als Menschen irgendwie betreffen. Dann wird Ethik wachsam. Prognostisch zu arbeiten beinhaltet das Problem, dass man schwer wissenschaftlich zutreffende Aussagen machen kann. Was man aber im Rahmen der philosophischen Ethik tun muss, ist es, hinter das Offensichtliche zu blicken, sich also nicht nur mit den Phänomenen und den Problemphänomenen zu beschäftigen, sondern zu sehen, was für Probleme liegen da eigentlich noch dahinter? Also zum Beispiel Individualisierung und Vernetzung als gleichzeitige Probleme bzw. Phänomene. Und dann könnte Ethik vielleicht auch in der Lage sein, zukünftige Entwicklungen ein wenig zumindest vorwegzunehmen und vorbereitet zu sein auf neue Herausforderungen.“

Bis zur Übernahme des Lehrstuhls für Medienethik lehrt Alexander Filipović an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, seit 2012 als Privatdozent. Er veröffentlichte eine Vielzahl von Aufsätzen insbesondere zu grundlegenden und aktuellen Fragen der Medienethik und ist unter anderem Mit-Herausgeber der Schriftenreihe „Kommunikations- und Medienethik“ sowie der Zeitschrift „Communicatio Socialis“. Seit einigen Jahren ist er zudem einer der Sprecher der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaften.

(rv/pm 02.07.2013 ord/cs)


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