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Home >  Gerechtigkeit und Friede  > Artikel von 2013-07-13 12:54:43
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Ägypten: „Der Umsturz ist wie ein Wunder“



RealAudioMP3 Während in Ägypten die Vereidigung des Übergangskabinetts des Interims-Premierministers Hazem el-Beblawi erwartet wird, rufen die Muslimbrüder weiter zu Protesten auf, um eine Wiedereinsetzung ihres Präsidenten Mohammed Mursi zu erreichen. In den vergangenen Tagen war es im Verlauf der Demonstrationen zu mehr als 100 Toten gekommen; ein Ende der Aufstände scheint nicht in Sicht zu sein, auch wenn führende Muslimbrüder, die sich nach wie vor dem Dialog mit der neuen Regierung verweigern, zu „friedlichen Protesten“ aufrufen. Kyrillos William ist der katholische Bischof von Assiut. Trotz aller Wirren durch den Umsturz spricht er von einem „Wunder“, auf das die Bevölkerung Ägyptens so nicht zu hoffen gewagt hätte. Das Militär habe richtig gehandelt, so Kyrillos, denn die überwältigende Mehrheit des Volkes hätte klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es die Wahl Mursis aufgrund der Entwicklungen des vergangenen Jahres nicht mehr anerkenne. Auch die Christen stünden hinter der neuen Regierung:

„Die Christen, wie zahlreiche Ägypter, sind der Auffassung, dass sie nun endlich ein neues Ägypten aufbauen können – demokratischer, freier und für alle Menschen. Alle sagen, dabei wird keiner ausgeschlossen, auch die Islamisten nicht. Aber es sind die Islamisten, die nicht mitmachen wollen.“

Das Militär hätte von Anfang an klar gemacht, dass es dieses Mal die Macht nicht für sich selbst beanspruchen wolle. Dazu diente auch der demonstrative Schulterschluss mit allen religiösen und zivilen Autoritäten des Landes, wie er bei den ersten Runden Tischen deutlich wurde, an denen neben Koptenpapst Tawadros und dem Vorsteher der Al Azhar-Universität Al Tayyeb auch Vertreter aller Parteien und Altersgruppen teilgenommen hätten. Sorge machten nun nur noch die Muslimbrüder, die nach wie vor für eine Wiedereinsetzung Mursis protestieren.

„Viele kluge Menschen, auch einige unter den Islamisten selbst, versuchen sie dahingehend zu beraten, aufzugeben. Aber es bringt nichts, denn sie haben den Traum von einem islamischen Staat mit den Dummheiten, die sie in diesem Jahr angestellt haben, verdorben. Ich glaube, jetzt mit der neuen Regierung – heute oder morgen werden die neuen Minister vorgestellt – können wir langsam die neue Verfassung angehen und ein Referendum einberufen. Innerhalb von sechs Monaten sollen dann die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden.“

Glücklicherweise hätten sich die Beziehungen zwischen Militär, Polizei und Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Umsturz deutlich verbessert, so dass auch eventuelle Gewaltausbrüche der Muslimbrüder unter Kontrolle seien, so Kyrillos. Die Gefahr, dass die Muslimbrüder erneut vor allem in ländlichen Gebieten mit einer hohen Analphabetismusrate massive Stimmen erhalten und erneut an die Regierung zurückkehren könnten, sieht der Bischof jedenfalls durch die Ereignisse des vergangenen Jahres gebannt:

„Sie haben nun keinen Konsens mehr in der Bevölkerung, viele, die sie gewählt haben, würden sie nie mehr wählen. Das sagen sie auch öffentlich, unter ihnen auch viele Muslime. Denn sie haben entdeckt, dass die Muslimbrüder die Religion als Chance für sich selbst ausgenützt haben, aber letztlich gegen die Religion regiert haben.“

Trotz aller Euphorie in der Bevölkerung: Der rechtmäßig gewählte Präsident Mohammed Mursi ist gewaltsam abgesetzt worden und sitzt nun in einer Militärkaserne unter Hausarrest. Einflussreiche internationale Stimmen – unter ihnen der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, aber auch die Vereinigten Staaten – fordern nun zunehmend seine Freilassung. Damit ist Kyrillos nicht einverstanden:

„Er ist zu seiner eigenen Sicherheit in einer Militärstation untergebracht, wo er ihn allen Ehren gehalten wird wie zu Hause. Er kann nur nicht in Freiheit bleiben, weil mittlerweile vieles gegen ihn vorliegt. Er wird nun vor Gericht gebracht und wenn er unschuldig ist, wird er freigelassen werden, ansonsten wird er bestraft werden.“

(rv 13.07.2013 cs)


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