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Home >  Politik  > Artikel von 2013-07-17 10:38:07
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Nordirland: Märsche der Gewalt



RealAudioMP3 Nordirland wird erneut von gewalttätigen Unruhen erschüttert: Nachdem die Parade-Kommission des Landes sich gegen eine Route protestantischer Märsche durch ein katholisches Gebiet entschieden hatte, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Kommission ist damit beauftragt, die Märsche zu regulieren. Sie verbot dem Orange Order, auf dem Rückweg von der zentralen Veranstaltung zum Gedenken an die Schlacht von Boyne 1690 die herkömmlichen Routen durch katholische Wohngebiete zu nehmen.

„In der katholischen Gemeinde wurde das als Sieg empfunden“, erklärt Robin Wilson, Ire und Spezialist für die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gemeinschaften, die weit mehr sind als konfessionelle Streitpunkte, auch wenn sich die Gruppen immer noch so bezeichnen. „In diesem Jahr kam die Gewalt von der protestantischen Seite, während es in den vergangenen Jahren umgekehrt war. Die Aufgabe der Parade-Kommission ist geradezu unmöglich, sie muss eine möglichst faire Entscheidung in immer noch heftig umstrittenen Fragen treffen.“

Die Märsche erinnern an die Schlacht von Boyne 1690, in der der protestantische König William von Orange den katholischen König Jakob II. schlug. Bis heute marschieren die sogenannten Orangemen jährlich, um an diesen Sieg zu erinnern. In der Vergangenheit waren diese Märsche immer von Gewalt begleitet, bis diese in den 90er Jahren durch Übereinkünfte zwischen den Parteien eingedämmt werden konnte. In diesem Jahr scheint sie wieder auszuufern, wie der stellvertretende Polizeichef von Belfast, William Kerr, in einem Pressestatement klarstellt, er wirft den Gewalttätigen Tötungsabsicht vor:

„Wenn sie sich die Polizeihelme ansehen, die benutzt wurden, dann sehen sie dass die von den zeremoniellen Schwertern getroffen wurden, von großen Steinen, mit Feuerwerk und Eisenstangen und so weiter. Wenn man sich diesen Schaden anschaut, dann muss man sagen, dass das nichts anderes war als ein Versuch, Polizisten zu töten.“ Die Polizei erwartet nun vom Orange Order, dass er ihre Märsche koordiniert und friedlich durchführt und zum Gewaltverzicht aufrufen, so Kerr.

„Es ist die raue Wirklichkeit, die jetzt sichtbar wird, dass das der Friedensschluss in den 90ern die Situation nicht wirklich verbessert hat“, erklärt der Politologe Wilson. „Es gibt seit den Übereinkünften 1994 weniger Gewalt, aber das Good-Friday Agreement von 1998 hat nicht zur Versöhnung in Nordirland geführt. Wir brauchen strukturelle Reformen der Institutionen, die seit diesem Vertrag gegründet wurden, so dass sie zur Versöhnung einladen und ermutigen und diese auch symbolisieren, anstatt wie bis jetzt die sektiererische Teilung zu zementieren.“

Die Marschsaison in Nordirland dauert noch bis in den August.

(rv 17.07.2013 ord)


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