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Home >  Ökumene  > Artikel von 2013-08-23 14:44:09
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Ungarn: Armut und Reichtum im Kontext der Bibel



RealAudioMP3 Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, ist kein Geheimnis. Eher ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang allerdings wohl die Frage, inwiefern die Bibel Anregungen zur Lösung dieses Problems liefern kann. Damit hat sich die „internationale biblische Konferenz“ in Ungarn in der vergangenen Woche beschäftigt. Vor Ort in Szeged war auch die evangelische Theologin Jutta Hausmann, die in Budapest an der Evangelisch-Lutherischen Theologischen Universität lehrt und seit 25 Jahren kein Treffen ausfallen ließ. Im Interview mit Radio Vatikan spricht sie unter anderem über die Ökumene und über das diesjährige Thema der Konferenz: Armut und Reichtum im Kontext der Bibel und der urchristlichen Literatur.

„Dieses Thema ist besonders aktuell, zumal ja die wirtschaftliche Situation in Ungarn im Augenblick doch durchaus kritisch ist und auch in den Nachbarländern, aus denen doch ziemlich viele Teilnehmer kommen – sei es Rumänien, sei es Serbien – die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr schwierig sind und das Thema Armut und Reichtum eine besondere Rolle spielt. Und letztlich spitzt sich das Problem ja auch weltweit immer mehr zu.“

Inwieweit kann denn die Bibel in diesem Kontext helfen?

„Es ist natürlich nicht so, dass es konkrete Hinweise gibt, was man tun kann, weil die Texte ja nun doch aus einem ganz anderen soziokulturellen Kontext kommen. Aber: Grundfragen dessen, wie arme und reiche Menschen leben, die in gleicher Weise Geschöpfe Gottes sind – was das für Folgen hat im Umgang miteinander, da kann die Bibel nun in der Tat wesentliche Impulse geben, um darüber nachzudenken, wie man das konkret – sei es wirtschaftlich, sei es politisch – umsetzen kann.“

„In der Praxis läuft die Ökumene gut“

Sie selbst werden ja bei der Konferenz mit dem Gnilka-Preis ausgezeichnet – was bedeutet das für Sie?

„Als ich hörte, dass ich diese Auszeichnung bekommen werde, war ich sehr gerührt. Das bedeutet einerseits für mich, dass ich als deutsche Theologin im Kontext der Bibelwissenschaften in Ungarn wirklich volle Akzeptanz gefunden habe. Und andererseits: Die internationale biblische Konferenz in Szeged ist ja eigentlich eine katholische Konferenz mit sehr deutlichem ökumenischen Einschlag. Vor diesem Hintergrund bedeutet es für mich noch einmal sehr viel, dass ich als lutherische Theologin mit dem Gnilka-Preis ausgezeichnet werde – noch dazu von einem Kollegen gestiftet, den ich sehr schätze.“

Wie sehen Sie denn die Ökumene im Moment?

„Ich denke es ist sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite scheint es eine gewisse Abkühlung gegeben zu haben von der protestantischen Seite aus. Das Dominus Jesus Papier hat uns nicht grade mit großer Freude erfüllt. Auf der anderen Seite erlebe ich immer wieder – sei es in Deutschland, in Ungarn oder auch in Österreich, wo ich hin und wieder zu tun habe – dass eigentlich in der Praxis die Ökumene wirklich gut läuft und ich mich persönlich immer nur freuen kann über die Offenheit mit der wir auch hier immer wieder ins Gespräch kommen.“

Antisemitismus in Ungarn: Die Sensibilisierung für das Thema braucht Zeit

Sie sind auch im christlich-jüdischen Dialog sehr aktiv. Wie sieht es in Ungarn mit Antisemitismus aus?

„Ich sehe eine Reihe von ungarischen Freunden, die immer wieder am Überlegen sind, ob sie nicht doch gehen, weil sie manches nur sehr schwer ertragen. Wenn ich daran denke, dass die jüdische Philosophin Agnes Heller hier an der staatlichen Uni in Budapest eines Tages an der Zimmertür eine Aufschrift fand ,Juden geht weg’ ... Das sind Dinge, die hin und wieder durchaus zu spüren sind bei den jüdischen Menschen hier und das tut einfach nicht gut.“

Schaffen Sie es denn, da ein bisschen aufzuklären?

„Es wird auch eine ganze Menge getan, sei es auf kirchlicher Seite, sei es auch von den Schulen her. Ich denke, auf der staatlichen Seite ist die Situation im Augenblick sehr ambivalent: Auf der einen Seite wird deutlich formuliert, dass man gegen Antisemitismus ist, auf der anderen Seite gibt es dann immer wieder Menschen mit antisemitischem Gedankengut, die hohe Auszeichnungen bekommen, was dann zu einem großen Widerspruch führt. Ich denke aber, es sind durchaus innergesellschaftlich größere Ströme vorhanden, die deutlich versuchen, hier auch zu arbeiten. Aber in Deutschland haben wir auch sehr, sehr lange gebraucht, um an der Stelle voranzukommen und man kann hier sagen, es ging erst nach der Wende los, sich überhaupt etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen.“

(rv 26.08.2013 sta)


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