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Home >  Gerechtigkeit und Friede  > Artikel von 2013-09-19 15:10:49
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Kongo: „Immer diese Angst...“



RealAudioMP3 „Dieser Preis ist eine große Überraschung für mich, ich habe das nicht erwartet! Was ich jeden Tag getan habe war, Frauen zu helfen, vertriebenen und verwundbaren Frauen. Ich habe jeden Tag gebetet und den Frauen gesagt, sie sollten nicht aufhören zu beten. Ich sagte ihnen: Wenn ihr betet, bekommen wir Hilfe.“

Schwester Angelique Namaokas Gebete wurden erhört – am Dienstag wurde bekannt, dass die kongolesische Ordensfrau den renommierten Nansen-Flüchtlingspreis der UNO erhält. Namaoka leitet ein Rehabilitations- und Flüchtlingszentrum in Dungu im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. In dem Zentrum bekommen Frauen Hilfe, die vor der brutalen Gewalt der paramilitärische Gruppe „Lord’s Resistance Army“ (LRA) fliehen mussten. Entführungen, Zwangsarbeit, Morde und sexuelle Gewalt – es sind schreckliche Gräueltaten, über die die Frauen berichten.

„Es war zunächst nicht leicht für mich, die Geschichten dieser Frauen anzuhören“, sagt Schwester Namaoka. Sie hat selbst Verfolgung erlebt, floh vor den brutalen Kämpfern mit anderen Frauen zusammen in die Wildnis. Im Interview mit Radio Vatikan erinnert sie sich an diese traumatische Erfahrung:

„Wir hatten kein Essen, keine Unterkunft, waren im Busch und hatten nur eine Plastikplane, für mehr als 20 Leute. Wir konnten nachts nicht schlafen, haben die ganze Zeit in die Dunkelheit gelauscht, hatten solche Angst, dass sie kommen würden. Am Tag war es dasselbe, immer diese Angst… Solche Angst, dass ich nicht schlafen konnte, ich konnte einfach nicht schlafen.“

„Gott, tu mit mir, was du willst“ – der Text dieses Liedes ging Namaoka damals im Kopf herum. „Beim Singen fand ich endlich Ruhe und dann wieder meinen Mut“, erzählt sie. Und zwar so viel Mut, dass Schwester Namaoka in die Hölle zurückging, aus der sie kam: Sie ging in die Stadt zurück, wo die Peiniger gewütet hatten, identifizierte die Opfer und versuchte ihnen zu helfen – eine Schlüsselerfahrung für sie.

„Diese Erfahrung und all die Schwierigkeiten und Entbehrungen haben mich verstehen lassen, dass diese Frauen, die ihre Kinder verloren haben, weil sie entführt wurden, die ihre Ehemänner verloren haben, weil sie umgebracht wurden, noch viel mehr erlitten haben als ich. Das ist der Grund, warum ich dann angefangen habe, mich ausbilden zu lassen und Geld zusammenzutragen für diese Frauen, um ihnen zu helfen, irgendwann einmal wieder ein glückliches Leben zu haben.“

„Sie ist eine echte Heldin“, brachte es Antonio Guterres, UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, bei der Ankündigung der Vergabe des Nansen-Preises an Angelique Namaoka auf den Punkt. Über 2.000 Frauen und Mädchen hat die mutige Schwester bereits geholfen – angefangen von medizinischer Notversorgung über Traumaarbeit bis hin zu Ausbildungsangeboten. Für das Preisgeld von 100.000 US-Dollar und die internationale Aufmerksamkeit, die mit der Auszeichnung verbunden sind, ist Namaoka dankbar. „Ich werde immer mein Möglichstes tun, damit diese Menschen wieder Hoffnung haben und die Möglichkeit, ins Leben zurückzukehren“, so die Ordensschwester - dank des Preises könne nun anderen Vertriebenen geholfen werden. Sie nennt ein Beispiel, wie:

„Letztes Jahr hat mir eine der Frauen für die Ausbildung zur Bäckerin gedankt. Sie sagte: Wenn ich nicht diese Arbeit machen könnte, wären zwei meiner Kinder schon tot. Sie hat jeden Tag Geld verdient und konnte so für die medizinische Versorgung ihrer Kinder aufkommen. Und nicht nur das: Sie konnte auch Essen kaufen, die Kinder zur Schule schicken usw. Der Nansen-Preis wird uns helfen, mehr in diese Richtung zu tun.“

Es sei schwierig, sich das Leid vorzustellen, das diese Frauen und Mädchen in den Händen der LRA ertragen mussten, fährt sie fort. Deshalb ist Namaoko auch allen dankbar, die das Schweigen über die Gräueltaten brechen und vor dem Leid der Frauen und Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo nicht die Augen verschließen:

„Ich danke also dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR und allen Journalisten, die mich interviewen und meine Arbeit kennenlernen wollen. Denn auch diesen Journalisten ist es zu verdanken, dass wir gewürdigt wurden und den Preis erhielten. Gott hat mir geholfen und den Mut gegeben, diesen Frauen zu helfen. Ich bitte ihn heute darum, nicht stolz zu sein, sondern einfach und demütig zu bleiben, um diesen Frauen weiter zu helfen.“

Schwester Angelique wird den Nansen-Preis am 30. September in Genf entgegennehmen. Am 2. Oktober wird sie Papst Franziskus in Rom treffen. Der Nansen-Preis, der nach dem norwegischen Entdecker und Politiker Fridtjof Nansen benannt ist, wird jedes Jahr für hervorragende Dienste für Flüchtlinge vergeben.

(rv/fides/unhcr 19.09.2013 pr)



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