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Home >  Gerechtigkeit und Friede  > Artikel von 2013-10-07 10:20:59
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Lampedusa: Eine Schande auch für afrikanische Regierungen



RealAudioMP3 200 Opfer der Katastrophe von Lampedusa sind bislang bestätigt. Und während die italienische Justiz die Überlebenden wegen illegaler Einreise festgenommen hat, gehen die Fragen nach der Verantwortung weiter. Und die liegen auch aber nicht nur nördlich des Mittelmeeres.

Durch die Unfähigkeit, Frieden, Freiheit und angemessene Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen tragen auch viele afrikanische Regierungen ihren Anteil an der Tragödie vor Lampedusa in der vergangenen Woche. Das sagt gegenüber Radio Vatikan der Erzbischof von Addis Abeba, Berhaneyesus Demerew Souraphiel. Die Alternativen vor Ort seien für viele Menschen die zwischen dem Tod auf dem Wasser und dem Tod zu Hause.

„Es ist eine Schande für die afrikanischen Regierungen der Länder, aus denen diese Menschen kommen. Wenn die Situation zu Hause besser wäre, wenn es Arbeit gäbe und wenn man sich frei ausdrücken und äußern könnte, und vor allem wenn es Zeichen von Hoffnung gäbe, vor allem für die jungen Menschen, dann hätten sie diese Reise nicht gewagt. Sie hätten keine Wüsten durchquert, keine großen Summen Geldes bezahlt um dann auf unsicheren Booten über das Meer zu reisen.“

Damit dürfe man aber auch nicht die Rolle der europäischen Länder an der Tragödie herunterspielen, so der Erzbischof der Hauptstadt Äthiopiens. Die Menschen kämen nicht, weil sie besonderen Privilegien wollten, sondern weil sie ihre Menschenrechte und Gerechtigkeit suchten. Diese Menschen hätten ein Recht darauf, gehört zu werden, anstatt dass man alle Zugänge blockiere.

„Jeder Mensch hat sein ihm von Gott gegebenes Recht, auf dieser Erde zu leben. Jedes menschliche Leben ist heilig, das hat die katholische Kirche immer gesagt. Deswegen sage ich zu allen europäischen Ländern, die von sich sagen, dass sie für Menschenrechte einstehen, dass das auch für sie eine Schande ist, dass so etwas im Europa des 21. Jahrhunderts passieren kann.“

Die Hälfte der Bevölkerung Afrikas sei jung, so der Erzbischof, es sei wichtig, ihnen eine Perspektive der Hoffnung zu geben, Hoffnung in sich selbst und Hoffnung darauf, dass man die Umstände ändern könne.

„Es ist einfach, über ein besseres Leben tausende von Kilometern entfernt zu träumen, wenn man die schönen Bilder im europäischen, amerikanischen oder asiatischen Fernsehen sieht. Um die Wirklichkeit Afrikas ändern zu können, braucht es aber keine Träume sondern Mut, etwas zu verändern, nicht nur für uns, sondern auch für zukünftige Generationen. Wenn unsere jungen Menschen weglaufen, wer kann dann noch die Wirklichkeit Afrikas ändern?“

(rv 07.10.2013 ord)


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