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Home >  Familie  > Artikel von 2013-11-05 14:30:27
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Vatikan-Fragebogen zur Familie: „Aktive Teilnahme“ der Teilkirchen erwünscht



RealAudioMP3 Der Vatikan hat an diesem Dienstag das Vorbereitungsdokument zur Synode zur Familienpastoral veröffentlicht, das bereits an alle nationalen Bischofskonferenzen der Welt verschickt wurde. In einem Begleitschreiben fordert der Generalsekretär der Bischofssynode, Erzbischof Lorenzo Baldisseri, die Präsidenten der Bischofskonferenzen auf, das Dokument an alle Bischöfe weiterzuleiten, gab Baldisseri an diesem Dienstag vor der Presse bekannt. Dem Vorbereitungsdokument zur Synode liegt ein Fragebogen zu Themen rund um die Familie bei, den auch und insbesondere die Laien in den Pfarreien beantworten sollen. Der Vatikan erwartet die Antworten bis zum kommenden Januar. Wir haben unsere Kollegin Gudrun Sailer gefragt, was in dem Dokument steht. Sie war für Radio Vatikan bei der Vorstellung des Dokumentes im Pressesaal.

„Angesichts der ,klar erkennbaren sozialen und spirituellen Krise‘ steht die Familie ganz oben auf der Agenda des Vatikans, ist an erster Stelle dem Dokument zu entnehmen. Das Schreiben legt den Fahrplan des Vatikans zum Thema Familienpastoral für die nächsten Jahre fest: Auf der Synode im Oktober 2014 soll das ganze Feld der Familie mit all ihren Schwierigkeiten abgesteckt, Zeugnisse gesammelt und erste Vorschläge gemacht werden. Bei der Synode danach, also der Ordentlichen Vollversammlung 2015, will man dann, so heißt es, ,konkrete Leitlinien für die Pastoral’ liefern.“

Stichwort Krise – wo sieht der Vatikan besonderen Handlungsbedarf?

„Zu den neuen Problematiken im Bereich der Familie zählt das Dokument nicht-eheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sowie die Frage der Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare, die ja in einigen Ländern Europas möglich ist, aber auch konfessionsverschiedene und interreligiöse Verbindungen, arrangierte Ehen, Leihmütter, Formen eines der Kirche feindlich gesinnten Feminismus und Phänomene von Migration usw. – ein sehr breites Spektrum also, in dem sich der klassische kirchliche Ehebegriff aus ganz unterschiedlichen Gründen aufzulösen scheint. Die kirchliche Lehre über Ehe und Familie wird in dem Dokument dann auch noch einmal ausführlich referiert.“

Der beigefügte Fragebogen soll es den Teilkirchen ermöglichen, die Synode „aktiv“ mit vorzubereiten, heißt es in dem Dokument. Wie stark sollen die Laien in die Vorbereitung der Synode einbezogen werden? Es war ja in Medienberichten die Rede davon, es handle sich um eine Erstbefragung von Gläubigen vor der Synode...

"Die Versendung von Fragebögen zur Vorbereitung einer Synode ist ja übliche Praxis. Neu scheint in diesem Fall aber schon das Prozedere bei der Vorbereitung des ,instrumentum laboris', des Arbeitsinstrumentes für die Synodenväter. Dies soll aus den Ergebnissen der verschickten Fragebögen entstehen, als Synthese, und da fließen auch durchaus die Antworten der Gemeinden und Gläubigen ein, die eben von ihrem jeweiligen Bischof für die Befragung zugelassen wurden. Wer und wie befragt wird, ist dann aber letztlich eine Frage der Ortskirchen, der Vatikan hat das nicht ausdrücklich geregelt."

Und was sind das für Fragen im Fragebogen?

„Im Fragebogen sind insgesamt neun Themenfelder zu finden. Anteilmäßig beziehen sich die meisten Fragen auf ,schwierige Ehesituationen‘, darin enthalten die wiederverheirateten Geschiedenen, dann zweitens auf die Familienpastoral und drittens auf die ,Offenheit der Eheleute für das Leben‘, also den Nachwuchs. Doch auch zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften und ,irregulären Ehesituationen‘ gibt es Fragen – jeweils vier – , die sich auf die aktuelle Lage in den einzelnen Ortskirchen und auf Verbesserungsmöglichkeiten beziehen. Der Fragebogen sieht Vorschläge der Befragten zum Thema vor, hier können Gläubige also Aspekte ergänzen, die ihrer Meinung nach nicht berücksichtigt wurden. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Fragebogen sowohl nach dem ,wie viel‘ als auch ,wie‘ fragt – etwa: wie viel Kinder wachsen tatsächlich in irregulären Ehesituationen auf? Und weiter: Wie kommt die Kirche dem Wunsch dieser Eltern nach, ihren Kindern eine christliche Erziehung zu bieten?“

Mit Papst Franziskus wird der Aspekt der Barmherzigkeit und Zärtlichkeit Gottes betont – dies wurde bisweilen als Ruf nach mehr Barmherzigkeit der Kirche auch etwa gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen interpretiert. Geht das Dokument darauf ein?

„Indirekt. Hinsichtlich der pastoralen Entscheidungen in Bezug auf die Familie gebe es ,weitreichende Erwartungen‘, heißt es im Schreiben wörtlich. Und zwar deshalb, weil heute die Lehre über die göttliche Barmherzigkeit und Zärtlichkeit gegenüber Menschen in ,geographischen und existentiellen Randgebieten‘ insgesamt positiv aufgenommen werde. Es ist also rauszuhören, dass sich der Vatikan mit diesem Papst, der immer wieder von der Barmherzigkeit Gottes spricht, über die Bedürfnisse, auch die ,Wunden‘ im Bereich der Familie durchaus bewusst ist. Und das Thema wird ja jetzt in den kommenden Jahren ausführlich behandelt.“

(rv 05.11.2013 pr)


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