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Home >  Gerechtigkeit und Friede  > Artikel von 2014-01-29 11:41:45
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Südsudan: Hoffnung auf das „Gespür für Brüderlichkeit“



RealAudioMP3 700.000 Binnenflüchtlinge, 112.000 Flüchtlinge in die Nachbarstaaten. Und die Zahl der Toten? Die liegt nach Schätzungen internationaler Beobachter bei bis zu 10.000 Menschen. Südsudan, ohnehin schon eines der ärmsten Länder der Welt, hat sich einen teuren Krieg geleistet in den letzten Wochen. Und so richtig gelöst wirkt der Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Vize Riek Machar auch jetzt nicht, wo die beiden im äthiopischen Addis Abeba einen Waffenstillstand geschlossen haben. Immerhin weiß die Comboni-Missionarin Elena Balatti, die seit über zwanzig Jahren in Nord- bzw. Südsudan arbeitet, auch etwas Gutes zu berichten. Radio Vatikan erreichte sie telefonisch in Malakal, Hauptort des Bundesstaats Oberer Nil.


„Ich kann sagen, dass der Waffenstillstand in Malakal hält. Die Region ist von der Regierungsarmee am 20. Januar zurückerobert worden, drei Tage vor der Unterzeichnung dieses Waffenstillstands. Leider gehen aber die Kämpfe in einigen Gebieten noch weiter, nämlich dort, wo sich die beiden Armeen noch direkt gegenüberstehen, an den Grenzen der Bundesstaaten Oberer Nil und Jonglei und auch Unity, wo die Ölquellen sind.“


Die Bevölkerung von Malakal sei von den Kämpfen der letzten Wochen „hart geprüft“, so Schwester Elena.


„Noch nicht einmal die Alten erinnern sich an eine ähnliche Katastrophe! Wir als Kirche bemühen uns natürlich, die ethnische Komponente dieses Konflikts nicht überzubetonen, weil das niemandem hilft, aber natürlich gibt es diese Komponente. In den Gebieten, die von den Rebellen kontrolliert werden, ist die Dinka-Bevölkerung besonders gefährdet, weil die Rebellen mehrheitlich einer anderen Ethnie angehören, und in den Regierungs-Gegenden ist genau das Gegenteil der Fall. Darum ist hier in Malakal die Nuer-Bevölkerung besonders gefährdet. Die Armee sucht nach Leuten, die als Kämpfer bei der Rebellion mitgemacht haben, um sie zu verhaften.“


Der Erzbischof von Juba, Lukudu Loro, hat alle Bischöfe des Südsudan zu Gesprächen über die schwierige Lage in die Hauptstadt Juba gerufen. Da geht es um mehr als nur fromme Erwägungen:


„Die katholische Kirche hatte speziell hier in Malakal, einer der ersten von Zusammenstößen betroffenen Städte, eine wirklich wesentliche Rolle. Im Hof der Kathedrale hatten wir zeitweise 7.000 Flüchtlinge! Jede ethnische Gruppe konnte da kommen, und alle Seiten haben die Kirche auch respektiert, so dass sie sich für die Menschen einsetzen konnte. Die Rebellen haben unseren Flüchtlingen sogar Nahrungsmittel geliefert, als sie die Kontrolle über die Stadt hatten.“


Sie habe ja schon viele Krisen im Südsudan erlebt, so Schwester Elena, aber diese sei doch „bei weitem die schlimmste“ gewesen. Das katholische Radio der Stadt rufe in diesen Tagen zu Versöhnung auf und rate, von Rache Abstand zu nehmen.


„Wenn ein bisschen Zeit vergangen ist, kriegen es die Völker im Südsudan erfahrungsgemäß hin, wieder einen Modus vivendi zu finden. Selbst wenn sich ihre Gruppen vorher direkt bekämpft haben. Ich denke also, dass man darauf hoffen darf, dass das Gespür für Brüderlichkeit wieder einmal die Oberhand gewinnen wird.“

(rv 29.01.2014 sk)


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