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Home >  Kirche  > Artikel von 2014-03-31 08:52:58
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Sagt der Papst zu Don Camillo...



RealAudioMP3 Wer kennt die beiden nicht: Don Camillo und Peppone, der Dorfpfarrer und der Bürgermeister. Die beiden Figuren sind noch heute, 66 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Films, sehr beliebt. Doch in diesen Geschichten steckt sehr viel mehr als die Komik, die einem als erstes auffällt. Darum hat das Büro für den Katechismus der Diözese Rom zu diesem Thema ein Treffen veranstaltet. Das Bistum von Papst Franziskus will sich von Don Camillo inspirieren lassen.

Er verprügelt Kommunisten, wirft mit Tischen um sich, betrügt, wo er nur kann – und ist doch ein katholischer Priester. In einer kleinen italienischen Stadt lebt Don Camillo mit dem kommunistischen Bürgermeister Peppone im ewigen Streit. Beide gönnen sich nichts. Die Geschichten aus der Feder von Giovannino Guareschi sind allseits bekannt. Der Leiter des Katechismus-Büros im Bistum Rom, Mons. Andrea Lonardo, ist davon überzeugt, dass man in diesen Geschichten auch Material für Predigten in Gottesdiensten finden kann.

„Papst Franziskus spricht ja in Evangelii Gaudium davon, dass die Bibel auf das Leben abfärben soll. Die Bibel muss die Geschichten des Lebens verkörpern. Nicht die Nachrichten aus der Politik, aber die Geschichten, die immer passieren. Also haben wir den Vorschlag gemacht, bei den Katechesen nicht nur auf die Bibel zu schauen, sondern auch die Geschichten von Don Camillo und Peppone als Beispiel für das gelebte Evangelium mit einzubeziehen.“

So wurden letztes Jahr schon die „Chroniken von Narnia“ zu diesem Zweck unter die Lupe genommen. Es sei wichtig, dass das Evangelium in solchen Geschichten wirklich Fleisch und Blut annimmt, sagt der Monsignore. Und er erinnert an eine Meditation Johannes Pauls II. Dieser habe im „Römischen Tryptichon“, einem kleinen Gedichte- und Meditationszyklus, über die Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle nachgedacht – und dabei ein sehr treffendes Bild benutzt.

„Man hat die Genesis erst in dem Moment richtig verstanden, in dem Michelangelo Gott den Finger des Adam berühren lässt. (...) Und wenn man die Liebe Don Camillos zu dem Gekreuzigten oder zur Familie sieht, kann man das als gelebtes Evangelium verstehen. Deswegen soll man nicht nur auf die Bibel schauen.“

Zudem seien die Geschichten von Don Camillo und Peppone heute noch immer aktuell; sie fänden ja auch weiterhin sehr viele Liebhaber. Ihm steht da etwa eine Szene vor Augen, in der die kleine Stadt überflutet ist. Don Camillo steht bis zu den Hüften im dreckigen Wasser. Er ist allein in der Kirche. Die Menschen sind geflohen. Um ihn herum schwimmen die Kirchenbänke. Da beginnt Don Camillo zu beten. Das Besondere an dieser Szene sei, dass Don Camillo am Ende die Bürger des Städtchens dazu aufrufe, den Glauben nicht zu verlieren. Wenn man den Glauben nicht bewahre, dann könne auch nichts wieder aufgebaut werden. Solche Geschichten berührten das Herz der Menschen. Und gerade das sei das Wichtigste. Das sei es auch, was die Geschichten rund um Don Camillo bis heute aktuell sein lasse, so Mons. Lonardo.


„Nach sechzig Jahren schauen sich ja immer noch Menschen in Deutschland und in anderen Ländern diese Filme an. Sie reden von einem Klassiker! Klassiker sind Bücher, die über der Zeit stehen. Wir schauen uns ja heute auch Filme, an die modern sind, aber viele dieser modernen Filme folgen eben nur einer Mode, ohne dass sie aber wirklich aktuell wären.“

Auch Papst Johannes XXIII. wurde auf den Autoren der Geschichte, Giovannino Guareschi, aufmerksam. Der Papst erkannte, dass in den Geschichten mehr steckt, als man beim ersten Lesen denken könnte. Johannes fragte den Schriftsteller tatsächlich, ob er nicht einen Katechismus verfassen könne.

„Das war 1958 kurz nach der Papstwahl. Aber Guareschi hat davon Abstand genommen. Er sah sich nicht in der Lage, daran mitzuschreiben. Es ging Papst Johannes auch nicht darum, den Katechismus zu ändern. Es sollten nur Bilder eingefügt werden, die zeigen sollten, wie aktuell der Glaube ist. Johannes XXIII. war davon überzeugt, dass man die Bibel, das Glaubensbekenntnis oder die Sakramente in Bildern vermitteln musste - und das war es ja auch, was Guareschi getan hat.“

Guareschi beginne seine Geschichten oft mit der Formel „Don Camillo sagte“, „Don Camillo erzählte“. Das ähnele den Gleichnissen in der Bibel. Der Papst und Guareschi seinen in vielen Punkten im Einklang gewesen, bei denen es um die Präsentation des Glaubens ging. Das sei auch mit Blick auf das spätere Konzil sehr interessant. Die Figur des Don Camillos sei trotz des Alters nicht altmodisch, findet der Katechismus-Experte des Bistums Rom. Don Camillo sei ein überzeugter Priester, auch wenn er sich gerne mit seinem Freund und Feind Peppone prügele. Eine Schlüsselszene in dieser komplizierten Beziehung sei die Abfahrt Peppones nach Rom, nachdem dieser zum Abgeordneten gewählt wurde. Dom Camillo steht allein am Bahnhof und beginnt Peppone ins Gewissen zu reden. Es sind nicht zwei Feinde, die den Bahnhof schließlich verlassen: Zwei Freunde gehen wieder zurück in ihr Dorf. Und das sei die zentrale Aussage von Guareschi. Das mache den Film und die Figur des Don Camillo auch nach all den Jahren so aktuell und greifbar.

„Guareschi möchte damit sagen, das die christliche Identität nicht zum Hass führen kann. Eine Person, die aus tiefster Seele Christ ist, respektiert auch die Anderen. Das ist das Paradoxe. Es gibt diese moderne Pseudotoleranz: Dafür braucht man keine Ideen, und alles ist eine Mischung. Um Neues, Großartiges vorzuzeigen, muss man zuerst einmal etwas leisten, und das ist zum Bespiel die Hilfe oder die Liebe, und so kann man zusammen alles durchstehen.“

So zeigt sich schließlich, dass zwischen dem rauen Priester und dem kommunistischen Bürgermeister doch nicht nur die Fäuste fliegen. Beide sind auch ein Beispiel für die christliche Nächstenliebe und Toleranz. Fazit des römischen Monsignore: Diese Geschichten verdienen es, in den Katechesen bedacht zu werden und nicht nur als Unterhaltung zu gelten.

(rv 27.03.2014 fg)


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