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Home >  Vatikanische Dokumente  > Artikel von 2014-04-11 10:59:36
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500. Todestag von Bramante



RealAudioMP3 Donato Bramante (1444-1514), einer der bedeutendsten Baumeister der Hochrenaissance: am 11. April jährt sich sein Todestag zum 500. Mal. Aus kleinen Verhältnissen stammend, aber genial und überdies fähig im Umgang mit schwierigen Dienstherren wie beispielsweise Päpsten, brachte es Bramante zu großem Ruhm. Dabei hinterließ er in Rom nur wenige Bauten. Von ihm stammt aber der Plan für den Neubau des Petersdoms 1506. Gudrun Sailer sprach mit dem Kunsthistoriker Christoph Luitpold Frommel, dem emeritierten Direktor der Bibliotheca Hertziana in Rom, und wollte zunächst von ihm wissen, woher der dem Künstler verliehene Beiname „Bramante“, das heißt „der Begehrende, der Brennende“, stammt.

„Das weiß man nicht. Man hat das dann in ,Rovinante‘ umbenannt, weil er immer ziemlich radikal, wenn es um neue Bauten ging, die alten abgerissen hat, auch die alte Basilika von Sankt Peter, ohne überhaupt Bauaufnahmen zu machen, ohne viel Rücksicht auf die Monumente und Mosaike, die da waren. Was für uns bedauerlich ist, aber es spricht von der enormen Dynamik und dem Willen, etwas Neues zu schaffen.“

Bramante kam 1499 nach Rom. Das ist die Zeit, in der Rom sich anschickt, nach eineinhalb Jahrtausenden wieder der kulturelle Nabel der Welt zu werden. Überall in der Stadt sind Kalkmühlen am Werk, die die Marmormonumente der alten Römer pulverisieren, damit etwas Neues aus ihnen werde. Welche geschichtliche Rolle kam Donato Bramante in diesem Klima des „Stirb und Werde“ zu?

„Zwar gab es diese Kalköfen, kein Zweifel, und viele Antiken sind ihnen zum Opfer gefallen. Aber es war gar keine sehr große Bautätigkeit. Denn die Borgia, der Vorgänger von Julius II., war kein wirklich großer Bauherr. Erst Julius II. bringt da neuen Schwung.“

Das ist aber schon drei Jahre später.

„Das ist drei Jahre später, richtig.“

In Mailand und Pavia, wo Bramante davor wirkte, hatte er bei mindestens zwei Bauvorhaben das Nachsehen gegenüber einem Konkurrenten, der den Zuschlag bekam. Wie hat er es geschafft, Julius II. davon zu überzeugen, dass sein Plan für Neu Sankt Peter der richtige ist?

„Julius II. hatte wie kein anderer Papst, der mir bekannt ist aus der Renaissance, einen Instinkt für künstlerische Qualität. Und genauso wie er Michelangelo entdeckt hat für sein Grabmal und Raffael für die Stanzen, so entdeckt er eben auch Bramante. Als er Papst wird 1503, er war ja vorher im Exil in Frankreich, kommt dann 1503 nach dem Tod von Alexander VI. nach Rom zum Konklave, wird er selber Papst nach dem kurzen Interludium von Pius III., und dann beginnt er eine wirklich imperiale Politik und Baupolitik. Er will sich auch als Caesar Pontifex Maximus darstellen. Und da ist Bramante genau der richtige. Er hat die Antikenkenntnisse, aber auch den Willen zum Großen.“

Wie sieht das Projekt von Bramante für Neu Sankt Peter aus?

„Es ist die Baumünze erhalten und viele Projekte. Wir sind gerade dabei, ich mit einem Zeichner zusammen, das erste Projekt, das 1506 begonnen wurde und 1513 von den folgenden Päpsten verändert und vergrößert wurde, zu rekonstruieren. Ursprünglich hat er ein solches Kreuzkuppelsystem geplant, das kennen wir nur aus der Medaille und einer Zeichnung. Aber da gab es Bedenken von Julius, sowohl weil es zu teuer gewesen wäre und weil es nicht ganz der alten Tradition von Sankt Peter entsprach, eines Langbaues mit lateinischem Kreuz, aber es gab auch Bedenken von Seiten der Architekten, ob das halten würde. Julius hat dann Bramante gezwungen, im Ausführungsprojekt von 1506 sehr viel bescheidener und solider zu planen.“

Was von dem Petersdom, den wir heute sehen, ist von Bramante?

„Die Vierung, die Maße und die Dimension. Und das ist das Entscheidende. Wenn Sie in den Raum hineinkommen, obwohl der Fußboden später um drei Meter erhöht wurde, ist der Gesamteindruck vor allem der von Bramante. Nicht das Detail, nicht der Dekor, aber der Gesamteindruck. Die Fülle des Lichtes, die da einströmt und die imperiale Gesinnung, die aus diesen Bauten spricht, auch aus dem Cortile del Belvedere, den er kurz vorher für Julius II. baut und der ja noch in großen Teilen erhalten ist, das ist charakteristisch für Bramante.“

Schon in seiner Zeit in Norditalien hat aber Bramante die Weichen gestellt für seinen Baustil. Was ist das für eine Architektur?

„Es ist eine Architektur, die nicht nur die Antike nachahmt, sondern eine Synthese versucht zwischen antiken Formen, gotischen Typologien, er ist nach Mailand gegangen nach Vasaris Auskunft, weil er den Dom von Mailand studieren wollte, nicht nach Rom, um die Antike zu studieren, sondern die Gotik von Mailand. Und drittes wichtiges Element seiner Architekturen ist die byzantinische Architektur. Dieses Kreuzkuppelsystem, das von den Kapellen bis zur mittleren Kuppel aufsteigt, auch typisch für seine Projekte für Sankt Peter. Und alles das versucht er schon in Mailand – diese Synthese der drei Kulturen. Damit ist er den anderen voran, weil er nicht nur die Antike nachahmt oder nicht nur die Gotik fortsetzt, sondern eine Synthese versucht, und aus dieser Synthese eine neue Sprache entwickelt.“

Bramante ist in Raffaels berühmtem Fresko die Schule von Athen von 1510/1511 dargestellt, neben allerlei anderen künstlerischen Zeitgenossen. Nun weiß man ja, Raffael und Michelangelo, der genau in der Mitte des Freskos sitzt, waren nicht ein Herz und eine Seele, Michelangelo war ein Schwieriger. Wie steht es mit Bramante? In welcher Konstellation war er mit seinen Künstler-Kollegen und Konkurrenten am Vatikan?

„Bramante war die absolute Nummer eins, er war eng befreundet mit Julius II. und hat ihn auf seinen Reisen begleitet. Hat auf seinen Wunsch dem Papst Dante vorgelesen und interpretiert und war so eine Art Superintendent, der dem Papst auch geraten hat, wen er nun berufen soll. Die Berufung sowohl Michelangelos als auch Raffaels ist ohne Bramante schlecht denkbar. Er hatte die Hand über allem, und das war als Architekt ja auch seine Aufgabe. Mit Raffael war er verwandt, aber das Verhältnis zu Michelangelo ist schwer zu beurteilen. Michelangelo war ja ein Pessimist, die ganzen negativen Äußerungen stammen alle aus späterer Zeit, aber er sagt dann in einem späten Brief auch, der eigentliche Architekt ist Bramante, denn er hat das begonnen – und Bramante hat die Architektur so gebaut wie kein Architekt seit der Antike – er hat also in höchsten Tönen von Bramante gesprochen. Umgekehrt kann man sagen, Michelangelo ist Architekt geworden nur durch die Nähe zu Bramante. Er ist erst in Rom Architekt geworden in Variation dessen, was er von Bramante gelernt hat.“

Was wissen wir über den Charakter Bramantes? Was für ein Mensch war der große Baumeister?

„Wir wissen relativ wenig. Aber das wenige, das wir wissen, ist bezeichnend. Er soll ein fröhlicher, lebenslustiger Mensch gewesen sein. Er hat gedichtet und seine Gedichte zur Leier gesungen, er war musikalisch, er war Archäologie, hat Ausgrabungen gemacht, Antiken rekonstruiert. Er war Ingenieur, hat Festungen gebaut und Wasserleitungen. Und er war ein ,uomo universale‘ im umfassenden Sinn, nur vergleichbar mit Leonardo und Brunelleschi und den ganz Großen.“

War er religiös?

„Über seine Religiosität wissen wir ebenfalls wenig. Aber ich würde doch sagen, die Tatsache, dass er fast nur Kirchen gebaut hat und diese Kirchen einen religiöseren Eindruck hinterlassen als die meisten anderen Renaissancekirchen – durch das Licht, durch die hierarchische Struktur, durch die Konzentration auf den Innenraum – , dass er auch ein religiöser Architekt war, und für den Kirchenbau wohl mehr geleistet hat als die meisten anderen.“

Künstler galten in der Renaissance noch nicht als die originären Schöpfer hehrer Kunst, ein Bild, das erst im 19. Jahrhundert entstanden ist, sondern sie galten überwiegend als Handwerker. Wie war Bramantes Selbstwahrnehmung in diesem Punkt?

„Man kann sagen, das war so, als die begonnen haben, aber es war nicht mehr so, als sie auf ihrer Höhe angekommen waren. Michelangelo benimmt sich wie ein wirkliches Genie und ist auch gegenüber den Päpsten sehr selbstherrlich und behauptet, er selbst habe das Programm für die Sixtinische Kapelle entworfen, und Bramante muss ähnlich gewesen sein. Sie sind schon auf gleichem Fuß mit den Päpsten verkehrt. Da vollzieht sich der Wandel, der dann im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt erlebt.“


Unser Bild zeigt ein Werk des Architekten, den „Chiostro del Bramante“ in Rom.


(rv 11.04.2014 gs)





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