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Home >  Gerechtigkeit und Friede  > Artikel von 2014-07-16 11:45:44
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Pater Jaeger zu Nahost-Krise: „Kirche kann keinen Einfluss haben“



RealAudioMP3 Israelische Bomben auf Gaza, Hamas-Raketen aus Gaza heraus in Richtung Israel: Es ist die Wiederkehr des Immergleichen, nur jedes Mal noch eine Eskalationsstufe schlimmer. Zum ersten Mal ist ein Israeli durch eine Mörsergranate der radikalen Hamas ums Leben gekommen. In der Nähe des Grenzübergangs Erez wurde der Zivilist tödlich getroffen, als er gerade israelischen Soldaten Lebensmittel bringen wollte.

Die neue Gewalt im Nahen Osten kommt nur wenige Wochen nach dem Papstbesuch im Heiligen Land, der doch so viele Hoffnungen auf mehr Frieden und Verständigung in der Region geweckt hatte. Wir sprachen darüber mit Franziskanerpater David Jaeger von der Kustodie des Heiligen Landes. Prälat Jaeger ist israelischer Staatsbürger und Katholik, das ist eine seltene Kombination. Wir fragten ihn, ob der Papstbesuch, ob die Friedensgebete im Vatikan sozusagen „nichts gebracht“ haben.

„Es konnte doch keiner erwarten, dass die Pilgerreise des Heiligen Vaters eine politische Rolle haben würde in dem Sinn, dass sie die Region zu einer friedlichen machen könnte. Der Heilige Vater hat Zeugnis von der Botschaft des Friedensfürsten, unseres Herrn Jesus Christus, abgelegt – das ist alles, was die Kirche tun kann! Aber zweifellos haben seine Präsenz und seine Worte Samen des Friedens in viele Herzen gestreut; wir können nicht wissen, wann diese Samen einmal Frucht bringen werden. Wir vertrauen nur darauf, dass sie das irgendwann und irgendwie einmal tun werden.“

Weltlich gesprochen bedeutet das laut Jäger: Als winzige Minderheit könne die Kirche, wie alle wüssten, keinen Einfluss im Heiligen Land haben.

„Stattdessen können und sollten Katholiken und Christen generell in Europa und anderen historisch christlichen Ländern spürbaren Druck auf ihre eigenen Regierungen ausüben, damit diese weiter all ihren Einfluss einsetzen, um die Sache des Friedens im Heiligen Land voranzubringen – und in der ganzen Region. Es ist in diesem Sinn, dass das Zeugnis des Heiligen Vaters sogar auf kurze Sicht sehr wirkungsvoll sein kann.“

Wie stehen die Christen in der Region angesichts der neuen Gewalt da? Sind sie Teil des Problems oder Teil der Lösung?

„Christen in der Region sind sicher nicht Teil des Problems! Aber sind sie Teil der Lösung? Das kommt darauf an: Nicht vor Ort, nicht in politischer Hinsicht. Wie ich schon gesagt habe: Die Christusgläubigen sind nur eine kleine Minderheit im Nahen Osten, weit von den Zentren der Macht entfernt. Aber sie können Zeugnis geben – und das tun sie auch – von Christus, vom Glauben an seinen Sieg über die Sünde und das Böse. Sie geben auch Zeugnis von Christus, wie man unsere hiesigen Spaltungen überwindet.“

Im Heiligen Land gibt es sowohl arabisch-sprachige, palästinensische Christen als auch hebräisch-sprachige jüdische (und nichtjüdische) Christen. Sie alle haben, betont Pater Jaeger, „loyal Anteil an den Leiden und legitimen Wünschen ihrer jeweiligen Völker“.

„Und gleichzeitig wissen sie alle, dass ihre Brüderlichkeit als Christusgläubige sie auf einer unendlich höheren Ebene untereinander verbindet. So können sie also gemeinsam bezeugen, dass Friede, wirklicher Friede, letztlich vom Annehmen des Evangeliums kommt, davon, dass man Glied am einen Leib Christi wird. Die Frohe Botschaft verkünden, Menschen aller Völker lehren und taufen – das ist der spezifische Weg, auf den die Kirche gesandt ist, der Menschheit den Frieden zu bringen.“


(rv 16.07.2014 sk)


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