Meldungen vom 11.3.2006
- Vatikan: Benedikt beginnt mit Kurienreform -
- Österreich: Küng startet Kampagne -
- Deutschland: Lehmann hofft auf Sozialenzyklika -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Gudrun Sailer
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
THEMEN DES TAGES:
Vatikan: Papst reformiert Kurie
Papst Benedikt XVI. hat heute eine lange erwartete Kurienreform gestartet. Am Ende der einwöchigen Fasten-Exerzitien gab der Vatikan heute die Zusammenlegung mehrerer päpstlicher Räte bekannt. Demnach werden "vorläufig" der Rat für die Migrantenpastoral und der Rat für Gerechtigkeit und Frieden ein und denselben Präsidenten haben: den italienischen Kardinal Renato Raffaele Martino, der bisher bereits den Rat für Gerechtigkeit und Frieden leitete. Gleichzeitig nahm Benedikt den altersbedingten Rücktritt des Präsidenten des Rates für Migrantenpastoral, des Japaners Stephen Fumio Hamao, an.
Die zweite Zusammenlegung betrifft den Rat für den interreligiösen Dialog und den Kulturrat, im Sinn eines "intensiveren Dialoges mit Kulturschaffenden und Exponenten der verschiedenen Religionen", wie es in der Mitteilung heißt. Präsident des Rates für den interreligiösen Dialog wird der französische Kardinal Paul Poupard, der bisher bereits den Kulturrat leitet. Den britischen Erzbischof Michael Fitzgerald hatte Papst Benedikt vor kurzem von der Spitze des Rates für den interreligiösen Dialog abberufen und als Nuntius in Ägypten eingesetzt. Auch diese Zusammenlegung ist laut der Vatikan-Mitteilung "vorläufig". (rv)
Vatikan: Papst, Mission ist ganz nahe
Bei seiner Audienz für die Teilnehmer des Kongresses zum 40. Jahrestag des Konzilsdekretes "Ad Gentes" über Mission schien der Papst auf den heute gesetzten Schritt der Kurienreform anzuspielen. "Die Kirche ist heute dazu aufgerufen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie ist dazu bereit, mit verschiedenen Kulturen und Religionen einen Dialog zu führen und so, gemeinsam mit allen Menschen guten Willens, am friedlichen Zusammenleben der Völker mitzuwirken."
So gesehen, fuhr der Papst fort, sei das Aufgabenfeld der Mission heute erweitert. Mission heute könne man nicht mehr bloß über geografische oder juristische Aspekte definieren. "In der Tat sind nicht bloß nicht-christliche Völker und ferne Länder, sondern auch die soziokulturellen Milieus und vor allem die Herzen die echten Adressaten der missionarischen Aktivität des Volkes Gottes." (rv)
Österreich: Küng startet Kampagne für Evangelium
Die Diözese St. Pölten hat eine Kampagne gestartet, mit der sie versucht, Gottes Botschaft den Menschen im Alltag nahe zu bringen. Auf mehr als 500 Werbeflächen will das Bistum die Menschen zum Nachdenken über zentrale Botschaften des Evangeliums anregen, erklärte der St. Pöltner Bischof Klaus Küng. "Ich erwarte mir, dass die Menschen darüber reden, dass das auch ein Gedankenanstoß ist für solche, die nicht regelmäßig die Kirche besuchen, dass mitten im Alltag der eine oder andere auf einmal sich bewusst macht: Eigentlich ist Gott immer da."
Die Diözese St. Pölten ist nach den Skandalen rund um homosexuelle Vorfälle im Priesterseminar unter dem abgelösten Bischof Kurt Krenn auf einem Weg der Konsolidierung. Bischof Küng: "Es ist schon auch das Bestreben, dass das Positive im Mittelpunkt steht. Wir reden oft nur über die Probleme und Schwierigkeiten und die negativen Erfahrungen, und es ist mir ein großes Anliegen, dass wir nach vorne schauen." (rv)
Deutschland: "Kirche in Not"
In Augsburg tagt an diesem Wochenende der Jahreskongress des Hilfswerkes "Kirche in Not. Prominente Redner sind angereist, an der Spitze der Bischof und zukünftige Kardinal Joseph Zen von Hongkong, der apostolische Vikar von Arabien Paul Hinder, ein Bischof aus Burma, ein Jesuit aus Osttimor, der Oberhirte der Katholiken aus der Mongolei und viele andere. Für Radio Vatikan ist Pater Eberhard von Gemmingen vor Ort: "Man hört Erstaunliches, zum Beispiel beim Weihnachtsgottesdienst in Dubai mit Bischof Hinder waren rund 10.000 Katholiken. An normalen Werktagsmessen nehmen dort tausende von Katholiken teil. Oder: in Nigeria werden in diesem Jahr 8000 junge Männer zu Priestern geweiht. Oder: Bischof Werth von Nowosibirsk sagt, Putin ist unser Freund. Wenn er nicht geholfen hätte vor zwei Jahren, dann hätten uns die orthodoxen Kirchen geschluckt. Es ist ein sehr bunter Strauß aus Hoffnung und Unterdrückung, den "Kirche in Not" da präsentiert. Das Hilfswerk hat Freunde in allen Teilen der Welt. Daher wurde heute auch dir Eucharistie, in der Muttersprache Jesu, in Aramäisch gefeiert. Freilich syro-malakarischen Ritus Indiens. Und noch ein Detail aus dem bunten Strauß: in der Mongolei wächst die Kirche so schnell, dass sie bald die Zahl der Katholiken in Hongkong übertreffen wird. Die nämlich sind in Gefahr auszuwandern wegen des Drucks aus China. Peking wiederum ist allzu clever. Es hat in Festland-China wie auch in Hongkong die Reichen finanziell unterstützt, um sie dem Regime gefügig zu machen, so der zukünftige Kardinal Zen. "Kirche in Not" hat noch viel zu tun, auch wenn es bald seinen 60. Geburtstag feiern wird."
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Nach dem Ende der einwöchigen Fasten-Exerzitien für Papst und Kurie hat Benedikt XVI. an diesem Samstag wieder einen prall gefüllten Terminkalender. Am Vormittag empfing er zwei Politiker aus San Marino, anschließend den Vizedekan des Kardinalskollegiums, den französischen Kurienkardinal Roger Etchegaray. Vor 1.000 Teilnehmern des Kongresses zum 40. Jahrestag des Konzilsdokumentes "Ad Gentes" hielt er eine Ansprache in der Benediktionsaula. Weitere Programmpunkte des heutigen Tages: Eine Audienz mit Kardinal Marco Cé, dem emeritierten Patriarchen von Venedig, der die Fasten-Exerzitien geleitet hatte. Um 18 Uhr nimmt der Papst an einer Marienvigil mit Rosenkranzgebet teil, die live per Satellitenschaltung in 13 europäische und afrikanische Universitätsstädte übertragen wird. (rv)
Europa
Deutschland
Georg Ratzinger, der Bruder Papst Benedikt XVI., ist auf dem Weg der Genesung und wird das Krankenhaus zu Beginn der kommenden Woche verlassen können. Das sagte nach Agenturangaben aus Deutschland der Primarius der Klinik von Regensburg, Andreas Kestler. Der 82-jährige Georg Ratzinger war am Donnerstag wegen Herzproblemen in die Klinik eingeliefert worden. (ansa)
Kardinal Karl Lehmann hofft auf eine Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. "Zur notwendigen Verteidigung der sozialen Marktwirtschaft gegenüber einem arroganten Neoliberalismus müssen wir ganz deutlich Flagge zeigen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem vorab veröffentlichten Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Die Soziallehre müsse fortgeschrieben werden angesichts der Frage, wie man konkret mit der Globalisierung und ihren Folgen umgehen müsse. Man müsse dem Papst dafür Zeit lassen, meinte Lehmann zugleich. Von Beginn an habe Benedikt XVI. jedenfalls die Gerechtigkeit thematisiert. (kna)
Schweiz
Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg führt eine "Kathedralschule" ein. In den monatlichen Katechesen in der Freiburger Kathedrale St. Nikolaus erklärt Bischof Bernard Genoud den theologischen Inhalt des "Katechismus der Katholischen Kirche". Erster Termin ist der 26. März. Wie das Bistum in einer Pressemitteilung erklärte, habe jeder Bischof "auch den Auftrag, die Gläubigen den Glauben in systematischerer Weise zu lehren und diesen zu vertiefen. Die Konferenzen in der Kathedrale erlauben dieser bischöflichen Aufgabe nachzugehen." (rv)
Spanien
Eine Plattform zur Förderung der Familie hat der Regierung vorgeworfen, Bezeichnungen für Familienmitglieder zu manipulieren. Die Organisation kritisiert den Plan der Regierung, die Wörter "Vater" und "Mutter" in amtlichen Dokumenten durch "Vorfahre A" und "Vorfahre B" zu ersetzen. Damit würde das Geschlecht der Eltern bewusst verschleiert, argumentierte die Organisation. Außerdem beziehe sich der Begriff Vorfahre nicht nur auf die Eltern, sondern auch auf Familienmitglieder früherer Generationen, argumentierte die Organisation. Man könne dann nicht mehr sagen, ob es sich um die Eltern oder Großeltern der Person handle. (cna)
Afrika
Sudan
Die Afrikanische Union hat entschieden, ihren Einsatz in der Krisenregion Darfur bis Ende September diesen Jahres fortzusetzen. Das gab gestern der äthiopische Außenminister Seyoum Mesfin bekannt. Die Außenminister der afrikanischen Staaten hatten hinter verschlossenen Türen über eine Fortsetzung ihres Engagements in Darfur beraten. Der sudanesische Vertreter, lam Akol, betonte, dass die Truppen der Union "gute Arbeit" leisten würden. Vor allem die Vereinigten Staaten hatten Anfang der Woche darauf bestanden, dass die Vereinten Nationen die Leitung des Einsatzes im Westen des Sudan übernehmen solle. (misna)
Nahost
Irak
Der seit November letzten Jahres verschleppte christliche Friedensaktivist Tom Fox ist tot aufgefunden worden. Fox und vier andere Mitarbeiter der kanadischen Nichtregierungsorganisation "Christian Peacemaker Teams" waren von extremistischen Moslems entführt worden. Offizielle Stellen waren bereits vom Tod des amerikanischen Aktivisten ausgegangen, als am 28. Februar ein Video ausgestrahlt wurde, dass zwar die drei anderen Geiseln zeigt, nicht jedoch Fox. Heute Nacht bestätigte das FBI offiziell, dass Fox erschossen wurde. (misna)
Asien
China
Staatliche Sicherheitskräfte haben die Leiter einer offiziellen protestantischen Kirchengemeinde in Henan festgenommen. Das meldet die Menschenrechtsorganisation "China Aid Association" mit Sitz in den USA. Die chinesischen Behörden begründeten ihre Aktion damit, dass die drei Männer "einem bösen und illegalen Kult" anhingen. Unterdessen sei in Peking der bekannte christliche Musiker Su Wenxing unter Hausarrest gestellt worden, heißt es in dem Statement der China Aid Association. Im vergangenen Monat war die chinesische Regierung bereits gegen nicht offizielle christliche Gemeinden im Land vorgegangen. (asia-news)
Indonesien
Eine islamistische Gruppe hat in einem Ort 350 km von der Hauptstadt Jakarta entfernt Katholiken während der Messe überfallen und das sofortige Ende der liturgischen Handlung verlangt. Die Angreifer zerstörten dabei das Haus, in dem die Messe stattfand. Die Fundamentalisten warnten die Christen davor, einen anderen Ort zum Gebet aufzusuchen. In Indonesien finden viele Gottesdienste in Privathäusern von Christen statt. (asia-news)
Pakistan
Bei Kämpfen zwischen staatlichen Sicherheitskräften und bewaffneten Extremisten sind an der Grenze zu Afghanistan mindestens 30 Rebellen getötet worden. Das gab der Sprecher der pakistanischen Armee, Shaukat Sultan, bekannt. Geheimdienstinformationen zufolge seien auch einige Ausländer unter den Getöteten, so Sultan. Zu den Gefechten war es im Rahmen einer Aktion der pakistanischen Armee gekommen, die dem Taliban-freundlichen Extremistenführer Maulvi Sadiq Noor gegolten hatte. In der Grenzregion zu Pakistan kommt es seit mehreren Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen. (misna)
Amerika
Venezuela
Die Bischöfe des Landes haben die Namen der Mitglieder einer neu eingesetzten Kommission zur Überwachung der Präsidentschaftswahlen bekannt gegeben. Die Kirche wolle den Dialog zwischen den Kandidaten fördern und so eine friedliche und verständnisvolle Atmosphäre schaffen, sagte ein Sprecher der Bischöfe. Die Kommission, die aus Bischöfen und Laienexperten besteht, soll dies kontrollieren. Ziel sei es, ein transparentes Umfeld für die Wahlen zu schaffen. (cna)
Chile
Zur Amtseinführung der neuen chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet werden heute mehr als 30 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt erwartet. Die 54-jährige sozialistische Nachfolgerin von Ricardo Lagos ist die erste Frau an der Spitze des südamerikanischen Landes. Aus den USA reist Außenministerin Condoleezza Rice an, Deutschland wird von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) vertreten. Michelle Bachelet ist Agnostikerin, hat allerdings Dialogbereitschaft mit der katholischen Kirche signalisiert und mehrere Bischöfe empfangen. Teile des Episkopates nehmen an der Amtseinführung teil. Die Zeremonie findet im Parlament in Valparaiso etwa 110 Kilometer westlich von Santiago statt. (reuters)
Vereinigte Staaten
Katholische Organisationen haben Regisseur Ron Howard aufgefordert, seiner Verfilmung des Bestsellers "Sakrileg" eine Mitteilung voranzustellen, dass das Filmgeschehen reine Fiktion sei. Howard dürfe die Zuschauer nicht genauso in die Irre führen, wie Buchautor Dan Brown. Zudem starteten US-Bischöfe eine Kampagne namens "Jesus Decoded", in der sie Irrtümer und Unwahrheiten des Films aufklären und im Sinne der katholischen Lehre über den historischen Jesus berichten. (cna)
In Chicago fand gestern die größte Demonstration von Immigranten in der Geschichte des Landes statt. Die Einwanderer protestierten gegen die geplante Reform des Immigrationsgesetzes. Durch das Vorhaben der Regierung würden sich ihre Lebensbedingungen noch weiter verschlechtern, kritisierten Vertreter der Einwanderer. Im Senat wird derzeit über den Gesetzesentwurf diskutiert, wonach jegliche Hilfe für Immigranten ohne Papiere als illegal bezeichnet werden soll. Kirchen und Menschenrechtsorganisation in den Vereinigten Staaten haben bereits angekündigt, Widerstand gegen das Gesetz leisten zu wollen. (misna)
Die
obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung "Treffpunkt
Weltkirche" täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung
sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress,
Ansa, Efe,
Afp, Kipa,
Reuters, Ap,
ADN-Kronos, Upi,
Cns, Uca,
Misna, Osservatore
Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie
vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen
Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen
aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter,
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Buchbesprechung:
Titel: Preußen am Tarpejischen Felsen, Die Geschichte des deutschen Kapitols in Rom 1817- 1918
Autor: Golo Maurer
Besprochen von: P. Eberhard Gemmingen
"Preußen am Tarpejischen Felsen" heißt ein mächtiger Band, den ich Ihnen kurz vorstellen möchte. Es ist die Geschichte der Botschaft Berlins in Rom von 1817 bis zum Ende des ersten Weltkrieges. Was heute nur wenige wissen: diese Botschaft stand auf dem Kapitolhügel, was ihre Chance und ihr Verderben war. 100 Jahre war sie also nicht diplomatischer, sondern auch kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt des deutschen Lebens in Rom. Die bedeutendsten Wissenschaftler, Künstler und Politiker aus dem sich bildenden Deutschland sind hier aus und eingegangen. Und sie haben ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude hieß Palazzo Cafarelli. Von hier oben schauten sie auf den Stadt hinunter und über die Dächer bis hinüber zum Vatikan. Aber es war auch für Preußen nicht so einfach, das Kapitol zu erobern. Es dauerte lange bis aus dem Mietsvertrag ein Kaufvertrag wurde. Das Kapitol ist eben das Kapitol. In dem Gebäude war schließlich auch die evangelische Kirche, das einzige Gotteshaus für die vielen kunstliebenden Protestanten in Rom, denen damals auch eine Gebetsraum noch sehr wichtig war. Es kam aber wie es kommen musste, als Italien am Ende des ersten Weltkrieges zu den Siegermächten gehörte, war dem jungen Staat die preussische Botschaft im Herzen der ewigen Stadt auf dem Kapitolhügel einfach zu viel. Die Preussen mussten gehen. Nun aber hat der Historiker Golo Maurer eine umfassende Geschichte dieses Gebäudes am so genannten Tarpejischen Felsens geschrieben. Man erfährt dabei ungemein viel über die diplomatischen Beziehungen, über Adel, Kunst, Kultur, Wissenschaft. 200 Seiten Text, 40 Seiten Dokumente und Literaturangaben und dann 80 Seiten Fotos. Es ist ganzes Archiv – und auch für Laien gut zu lesen.

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