Meldungen vom 7.6.2008
- Papst: „Dialog ist Reise des Glaubens” -
- Ordensfrauen gegen Menschenhandel -
- Antonelli wird Chef des Familienrates -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Gudrun Sailer
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
Vatikan: Dialog als „Reise des Glaubens“
Wer sich um Dialog mit Gläubigen nichtchristlicher Religionen bemüht, sollte gut über den eigenen Glauben Bescheid wissen. Das hat Papst Benedikt XVI. den Angehörigen des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog eingeschärft, die sich dieser Tage zu ihrer Vollversammlung im Vatikan treffen.
„Wenn dieser Dialog aufrichtig sein soll, muss er eine Reise des Glaubens sein. Deshalb ist es nötig für jene, die den Dialog voranbringen, in ihrem eigenen Glauben gebildet zu sein – und gut informiert über den Glauben anderer. Deshalb ermutige ich Ihren Päpstlichen Rat in seinen Bemühungen, Bildungsangebote im interreligiösen Dialog für verschiedene christliche Gruppen zu erarbeiten, besonders für Seminaristen und junge Menschen im tertiären Bildungssektor.”
Die Zusammenarbeit zwischen Angehörigen verschiedener Religionen schaffe die Gelegenheit, die höchsten Ideale jeder religiösen Tradition auszudrücken, so der Papst weiter. Ausdrücklich erwähnte er dabei den gemeinsamen Einsatz für die Opfer von Naturkatastrophen.
Der Präsident des Dialogrates, Kardinal Jean Louis Tauran, hatte vor kurzem bekannt gegeben, dass seine Einrichtung an einem pastoralen Leitfaden über interreligiösen Dialog arbeite. Über dieses Vorhaben zeigte sich Benedikt XVI. bei der Audienz erfreut. Die starke Zunahme interreligiöser Treffen weltweit erfordere Urteilskraft, erklärte der Papst.
„Seit dem II. Vatikanischen Konzil lag der Fokus auf jenen spirituellen Elementen, die verschiedene Religionen gemeinsam sind. Dies hat auf vielfältige Weise geholfen, Brücken der Verständigung über religiöse Grenzen hinweg zu bauen. Sie haben nun über praktische Fragen gesprochen: die Identität der Gesprächspartner, Religionsunterricht, Bekehrung, Proselytismus, Gegenseitigkeit, religiöse Freiheit und die Rolle von Religionsführern in der Gesellschaft. Dies sind wichtige Themen, auf die Religionsführer achten müssen, die in pluralistischen Gesellschaften leben und arbeiten.” (rv)
Italien: Netz gegen Menschenhandel
Ordensfrauen gegen Menschenhandel - in Rom ist gestern ein Kongress zur Bildung eines Netzwerks gegen diese Form der Ausbeutung zu Ende gegangen. Ausgerichtet hat das Treffen die Internationale Union der Generaloberinnen (UISG), und Ordensfrauen aus 30 verschiedenen Gemeinschaften, die bereits gegen Menschenhandel aktiv sind, haben daran teilgenommen. Nur grenzüberschreitendes Handeln kann das Phänomen eindämmen, erklärt die Don-Bosco-Schwester Bernadette Sangma aus Indien, die den Kongress organisierte: „Wir stellen fest, dass wir in einer strategischen Position sind. Denn wenn wir von Menschenhandel sprechen – betroffen sind meist Frauen und Kinder, aber mittlerweile auch Männer – dann sind fast immer drei Nationen involviert: die Heimatländer der Opfer, die Transitländer und die Zielländer. Wenn wir uns umsehen, wird uns klar: als katholische Ordensfrauen sind wir in allen drei Ländern präsent. Deshalb haben wir beschlossen, dieses Netzwerk zu gründen und uns besser zu koordinieren, damit wir die Frauen aus dieser Sklaverei retten können, aus dieser Lebenslage, die dem Menschen das Menschsein nimmt.”
Die Ordensfrauen ziehen dabei an einem Strang mit der „Internationalen Organisation für Migration” (IOM), einer weltweiten Hilfsorganisation, die den Kongress mit ausgerichtet hatte. Für IOM-Sprecher Stefano Volpicelli steht fest, dass eine rigide Einwanderungspolitik Menschenhandel fördert.
„Es ist ein Hund, der sich in den Schwanz beißt: Wenn keine legale und sichere Möglichkeit besteht, von einem Land in ein anderes zu gelangen, um auch nur Arbeit zu suchen, werden die Betroffenen alternative Lösungen suchen und letztlich finden. Ein heikles Thema, denn hier sind verschiedene Interessen zu wahren. In unseren Ländern muss Schutz und Sicherheit gewährleistet sein. Andererseits geht es auch um die Würde und die Möglichkeit zur Befreiung und Entwicklung jener Menschen, die aus rückständigeren Ländern als unsere kommen.” (rv)
Hier zum Nachhören
Vatikan: „Wir sind nicht entschuldigt”
Entwicklungshilfe- und Menschenrechtsorganisationen sind enttäuscht von den Ergebnissen des Welternährungsgipfels, der Donnerstagabend in Rom zu Ende gegangen ist. Die FAO-Konferenz habe sich zu wenig mit den strukturellen Ursachen der Nahrungsmittelkrise befasst, die seit mindestens einem Jahrzehnt absehbar gewesen sei, lautet der Hauptkritikpunkt. Der Heilige Stuhl stimmt nicht in die allgemeine Wehklage über mangelnde Ergebnisse des Gipfels ein. Doch genüge es auch nicht, einfach festzustellen, wie schwierig eine Lösung auf ein so komplexes Problem wie die Hungerkrise zu finden sei, betont Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi: „Niemand kann darüber hinwegsehen, wie schwer es ist, einen mittel- und langfristigen Aktionsplan zur Überwindung des Hungers in der Welt zu entwickeln, ja auch nur kurzfristig die aktuelle Hungerkrise zu lindern, die wegen des raschen Preisanstiegs bei Lebensmitteln entstand. In einer komplexen Welt wie der unseren sind die Ursachen für Probleme immer vielfältig, und auch die Antworten darauf sind es; auch ist nicht gesagt, dass diese Antworten stimmig sind, da sie oft Einzelinteressen widerspiegeln.”
Die katholische Kirche bestehe in einer solchen Lage auf grundlegenderen Prinzipien, so P. Lombardi, nämlich „das Recht auf das Leben und daher auf Nahrung als primäres Recht jeder Person; und die Pflicht zur Solidarität gegenüber den Personen und den Völkern.”
Deshalb habe Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft an die Gipfelteilnehmer angeregt, am Verhandlungstisch den Respekt vor der Menschenwürde zur Geltung zu bringen. P. Lombardi schlussfolgert: „Gegenüber dem Hunger der Armen können wir uns nicht als entschuldigt betrachten aufgrund der Tatsache, dass es schwierig ist, diesen Hunger zu überwinden. Wir müssen die Prioritäten und die richtigen Ansatzpunkte finden. Die ersten, denen zu helfen ist, sind die Kleinbauern der armen Länder mit ihren Familien. Eine Entwicklung also, die sich auf die Würde der Person konzentriert.” (rv)
UNO: „Mit Hunger gibt es keinen Frieden”
Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, stand uns zu den Ergebnissen des Welternährungsgipfels in Rom Rede und Antwort. Wir fragten ihn zunächst, wie er die Beschlüsse der Konferenz einschätzt.
„Vor dem Hintergrund der riesigen Herausforderung, die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sicher zu stellen, ist das Ergebnis sicherlich nicht berauschend. Man konnte Besseres erwarten. Aber es sind Schritte gemacht worden, die notwendig waren. Es wird endlich mehr Geld investiert, um überall eine wirklich leistungsfähige Landwirtschaft aufzubauen. Es ist klar geworden, dass die hoch entwickelten Länder nicht fortfahren können, ihre Landwirtschaft so zu subventionieren und abzuschließen, dass die Märkte für die Entwicklungsländer wegfallen. Es kann nicht mehr sein, dass hoch subventionierte Überschussprodukte den Aufbau einer wirklich langfristigen Landwirtschaft in diesen Ländern verhindern. Alles dies ist nicht nur angesprochen, sondern auch mit Lösungsansätzen bedacht worden. Es war aber auch dringend Zeit.”
An was fehlt es am meisten?
„Am allermeisten fehlt die Einsicht, dass wir endlich diese Handelsbegrenzung abschaffen müssen. Wir müssen uns fragen, wie wir effizienter Landwirtschaft betreiben können, wie wir die Ausbildung verbessern können. Es muss auch mehr investiert werden. Ich meine, 6,5 Milliarden sind jetzt verfügbar gemacht worden, das ist mehr als man am Anfang erwarten konnte, aber noch nicht genug. Bis zu 30 Milliarden braucht man. Und es muss allen klar sein: man kann nicht Biomasse zu Lasten von Nahrungsmitteln erzeugen, um aus dieser Biomasse Energie und Treibstoff zu gewinnen. Dies ist ethisch nicht vertretbar. Es wäre sicherlich eine Katastrophe, wenn das eintreten würde.”
Muss man die Ethanolproduktion einstellen oder einfach so weiter machen?
„Ich glaube, man muss da sehr genau hinsehen. Dort wo Ethanol oder Biodiesel oder anderes zu Lasten von Ernährung produziert wird, ist es sofort zu stoppen. Aber es gibt natürlich viele Bereiche, wo diese Konkurrenz zur Ernährung oder zu einer intakten Natur überhaupt nicht gegeben ist. Wir werfen außerordentlich viel Biomasse weg: von den Klärschlämmen bis zu Abfällen. Oder wir haben gerade in den hoch entwickelten Ländern viele Flächen stillgelegt, damit wir den Druck auf die Weltagrarmärkte absenken. Überall dort kann man sicherlich die Energieproduktion voranbringen. Nach meiner Meinung aber wesentlich besser für die Wärmeerzeugung, als für die Erzeugung von Kraftstoffen.”
Die Politiker haben kein echtes Interesse an einer Lösung. Ist diese These sehr gewagt?
„Das ist eine sehr holzschnittartige Darstellung. Dass in den Augen vieler Politiker andere Aufgaben im Vordergrund stehen, ist wahr. Aber die Hungerrevolten, die wir erlebt haben, haben aufgerüttelt, haben klar gemacht, dass wir keine stabile, keine friedliche Welt haben können, wenn dies nicht unterbunden wird. Papst Paul VI. hat bereits in seiner Enzyklika „Populorum progressio” gesagt: Entwicklung ist der neue Name für Frieden. Und das muss anfangen in der Notwendigkeit der Menschen, genug zu essen zu haben. So lange 850 Millionen Menschen in dieser Welt noch hungern, während gleichzeitig in den hoch entwickelten Teilen dieser Welt die Hauptproblematik das Übergewicht ist, so lange können wir keine friedliche Welt erwarten. Diese Dramatik, diese Notwendigkeit, die sehen viele Politiker so noch nicht.” (rv)
____________________________________
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Kardinal Ennio Antonelli ist neuer Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie. Der Vatikan hat die Berufung des bisherigen Erzbischofs von Florenz an die Kurie an diesem Samstag bekannt gegeben. Antonelli folgt dem kolumbianischen Kardinal Alfonso Lopez Trujillo nach, der Ende April verstorben war. (rv)
Aldo Giordano wird Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls beim Europarat in Strassburg. Die Ernennung durch Papst Benedikt XVI. wurde an diesem Samstag bekannt gegeben. Giordano ist derzeit Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Sein Amt beim Europarat wird der 53-jährige italienische Priester am 1. September antreten. Das Präsidium der CCEE dankte Giordano für seine loyale und vorbehaltlose Freundschaft und für die wertvolle 13jährige Zusammenarbeit im Dienste der Kirche und Europas. (rv)
Das vatikanische Arbeitsbüro ULSA hat einen neuen Direktor. Papst Benedikt hat an diesem Samstag Massimo Bufacchi zum Leiter der Einrichtung berufen. Das 1988 gegründete „Arbeitsbüro des Heiligen Stuhles” (ULSA) bemüht sich, eventuelle Meinungsverschiedenheiten vertraglicher oder wirtschaftlicher Art zwischen dem Heiligen Stuhl und seinen Angestellten zu schlichten. (rv)
Europa
Deutschland
Organspende kann ein Werk der Nächstenliebe sein. Daran erinnert der Schweriner Weihbischof Norbert Werbs am „Tag der Organspende“ an diesem Samstag. Nach christlichem Verständnis sei das Leben und damit der Leib „ein Geschenk des Schöpfers, über das der Mensch nicht nach Belieben verfügen kann, das er aber nach sorgfältiger Gewissensprüfung aus Liebe zum Nächsten einsetzen darf” so der Weihbischof. Bedenken ergeben sich nur aus der Möglichkeit des Missbrauchs, etwa durch Organhandel. Die katholische Kirche ermuntert nach Aussage von Werbs ihre Gläubigen zur Organspende. Dabei müsse allerdings die Freiheit zur Organspende gewährleistet bleiben. Das gelte auch für Menschen, die für sich selbst eine Organspende ablehnen. Seitens des Empfängers gebe es keinen Anspruch auf Körperteile, sagte der Weihbischof. „Freiwillig gespendeten Gewebe und Organe dürfen aber als Geschenk von anderen angenommen werden.” (pm)
Der Hilfsfonds „Eine Welt”, den der Augsburger Bischof Walter Mixa im August vergangenen Jahres gegründet hatte, hat sich erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das Stiftungskapital des Hilfsfonds sei von anfänglich 100.000 Euro bereits auf 750.000 Euro angestiegen ist, hieß es in einer Aussendung des Bistums. „Eine Welt” mache es sich als Stiftung zur Aufgabe, die weltweite Missions- und Entwicklungsarbeit der Kirche in den Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas modellhaft zu fördern. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Bertram Meier, wies bei der Vorstellung des Hilfsfonds darauf hin, dass Mission keine Kür, sondern Pflicht sei. „Wer katholisch sein will, ist missionarisch”, so Meier. (pm)
Schweiz
Die Kirchen müssen sich dringend mit dem „Skandal des Hungers” und der steigenden Nahrungsmittelpreise befassen. Dazu hat der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Samuel Kobia, aufgerufen. Schätzungsweise 850 Millionen Menschen litten unter Hunger; davon lebten 90 Prozent in Entwicklungsländern, erläuterte er in einer Mitteilung. Der ökumenische Dachverband sei empört und tief beunruhigt über diese „unhaltbare” Situation, so Kobia. Kirchen sollten Programme formulieren und umsetzen, die sich mit dem Hunger und seinen strukturellen Ursachen befassen. Sie sollten sich gegen die Produktion von Bio-Energie auf Kosten der Nahrungsmittel und der Umwelt wenden. Kobia macht den vorherrschenden Marktmechanismus für die Misere verantwortlich. Letztlich stecke hinter allem die Gier; die Menschheit müsse lernen, sie zu überwinden. Kobia kündigte an, dass sich der Exekutivausschuss des ÖRK im September mit der Ernährungskrise beschäftigen werde. Dem ÖRK gehören 349 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit mehr als 560 Millionen Mitgliedern in 110 Ländern an. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied des ÖRK, arbeitet aber in einigen wichtigen Gremien des Rats mit. (idea)
Afrika
Die weltweite Nahrungsmittelkrise bedroht die Existenz von immer mehr Priesterseminaren in der dritten Welt. Das teilt „Kirche in Not” mit. So stehe aktuell das Seminar in Makurdi im Zentrum Nigerias vor dem Aus, an dem sich mehr als 500 Seminaristen auf das Priestertum vorbereiten. Die Lebensmittelpreise hätten sich verdoppelt, das Haus sei nicht mehr in der Lage, für eine minimale Grundversorgung der Studenten aufzukommen. In Afrika mache die Ernährung der Seminaristen den Hauptanteil an den Kosten der Seminare aus, so „Kirche in Not”. Die Hilfsorganisation unterstützt seit Jahrzehnten die Priesterausbildung in aller Welt und half im vergangenen Jahr mehr als 15.000 Seminaristen. (pm)
Uganda
Der Erzbischof von Gulu warnt eindringlich vor Waffengewalt gegen die Rebellenorganisation „Widerstandsarmee des Herrn” (LRA). „Wir würden alles wegwerfen, was wir bisher erreicht haben”, sagte Erzbischof John Baptist Odama als Reaktion die Ankündigung des ugandischen Militärs, ihren Krieg gegen die LRA wieder aufzunehmen. Ein Friedensabkommen mit den Rebellen unter Joseph Kony sei möglich, betonte Odama. Gegen Kony liegt ein Haftbefehl des Internationale Strafgerichtshofs in Den Haag vor. Dem Rebellenführer und seinen Gefolgsleuten werden zahlreiche Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung und der massive Einsatz von Kindersoldaten zur Last gelegt. Die Friedensverhandlungen zwischen der „Widerstandarmee des Herrn” und der ugandischen Regierung dauern seit nahezu zwei Jahrzehnten an. (misna)
Naher Osten
Saudi-Arabien
Bei einer Internationalen Islamischen Konferenz im saudi-arabischen Mekka haben gut 500 Delegierte über den Dialog der Religionen gesprochen. Am ersten Tag der Sitzungen stellte der Gastgeber, der saudische König Abdullah, sein Projekt eines Dialogs zwischen Islam, Christentum und Judentum vor. „Ihr versammelt euch, um der Welt zu sagen, dass wir die Stimme der Gerechtigkeit und der menschlichen moralischen Werte sind, dass wir für Zusammenleben und Dialog stehen”, sagte Abdullah vor den Delegierten. Unterschiede zwischen den Menschen seien Teil ihrer Natur und als solche auch vom Koran anerkannt, bekräftigte Abdul Aziz Ben Mohamed al-Cheik, Großmufti von Saudi-Arabien. Der frühere iranische Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani regte einen Dialog zwischen Sunniten und Schiiten an, bevor man einen Dialog mit anderen Religionen führe. An der Konferenz nehmen Politiker und geistige Führer, Wissenschaftler und muslimische Gelehrte verschiedener muslimischer Länder teil. Das Treffen in der heiligen Stadt Mekka soll der erste Schritt auf dem Wege zum Dialog zwischen den Religionen sein, zu dem der saudi-arabische König Ende März aufgerufen hat. Bevor eine Konferenz der Weltkonfessionen einberufen wird, wollte er zunächst „die Meinung seiner Moslem-Brüder aus aller Welt hören”. (misna)
Asien
China
Die Katholiken in China sind nach dem schwersten Erdbeben seit drei Jahrzehnten dankbar dafür, dass sich Papst Benedikt für sie einsetzt. „Wir sind bewegt und finden kaum Worte, um unsere Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Vater und der Weltkirche auszudrücken, die uns im Gebet und durch konkrete Taten der Heilige Vater nahe war”, erklärte ein Sprecher des katholischen Hilfswerks „Jinde Charities” gegenüber der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides”. „Die Worte, das Gebet und schließlich auch die persönliche Spende des Papstes für humanitäre Hilfsprogramme zeigen uns, dass wir nicht alleine sind.” Ende Mai waren in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Caritasverband insgesamt 4.050 Zelte im Wert von 89.000 Euro an die Erdbebenopfer verteilt worden, eine persönliche Spende des Papstes, erklärte der Sprecher nach Angaben von „Fides”. Im Zuge des Erdbebens der Stärke 7,9 vom 12. Mai, das in Südwestchina mehr als 3.000 Ortschaften zerstörte, sind nach Angaben aus Peking 69.000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 18.000 gelten als vermisst. Fünf Millionen Bewohner der Region sind obdachlos geworden. (zenit)
Amerika
Kolumbien
Die kolumbianischen Bischöfe sehen nach dem Tod des langjährigen FARC-Kommandanten Manuel Marulanda neue Chancen für eine humanitäre Lösung der Geiselfrage in Kolumbien. Der Präsident der Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Augusto Castro Quiroga, bot dem neuen Führer der linksorientierten Rebellenorganisation „FARC“ am Samstag die Wiederaufnahme direkter Gespräche an. Die Bischöfe wollten «von Angesicht zu Angesicht” mit Alfonso Cano über ein humanitäres Abkommen sprechen. „Dies ist mein Wunsch und meine Hoffnung“, so Castro in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Cambio”. FARC-Führer Marulanda war Ende März offenbar einem Herzinfarkt erlegen. Sein Tod wurde erst vor zwei Wochen bestätigt. Er gehörte zu den Gründern der mit 10.000 bewaffneten Kämpfern größten Guerilla-Organisation Kolumbiens. (kna)
Chile
Der Erzbischof von Santiago hat Studenten und Professoren in Chile zu mehr Dialogbereitschaft aufgefordert. Das Gespräch komme immer an erste Stelle, Gewalt sei kontraproduktiv, sagte Kardinal Javier Errazuriz Ossa - besonders wenn man mit Behörden verhandeln wolle. In Chile kam es wegen einer Gesetzesreform im Bildungsbereich zu Konfrontationen zwischen Studentengruppen, Professoren und der Polizei. Staatspräsidentin Michelle Bachelet werde bei der Errichtung eines neuen Bildungsrates auch die Nöte der Studenten anhören, glaubt Kardinal Errazuriz. (cna)
Venezuela
Die katholischen Bischöfe haben das neue Sicherheitsgesetz der sozialistischen Regierung scharf kritisiert. Künftig wird für Abhörmaßnahmen keine richterliche Anordnung mehr benötigt. Außerdem können sich Ärzte oder Priester vor Gericht nicht mehr auf ihre Schweigepflicht berufen. Der Erzbischof von Caracas, Kardinal Jorge Urosa Savino, kündigte am Freitag vor Pressevertretern in der Hauptstadt Caracas eine genaue Prüfung des Gesetzestextes an. Die Kirche wolle untersuchen, „ob die zivilen und politischen Rechte aller Venezolaner” entsprechend der Verfassung respektiert würden, so Urosa. Er betonte weiter, es sei für alle Geistlichen eine fundamentale Pflicht, das Beichtgeheimnis zu wahren. Kein Gesetz könne diese Pflicht aufheben. (kna)
Die Quellen unserer Nachrichtensendung
sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress,
Ansa, Efe,
Afp, Kipa,
Reuters, Ap,
ADN-Kronos, Upi,
Cns, Uca,
Misna, Osservatore
Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie
vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen
Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen
aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter,
sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten-
oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer
Internetseite hören.
Buchbesprechung:
Titel: Einsichten- Prominente Frauen im Gespräch
Autor: Aldo Parmeggiani
Verlag: St. Benno Verlag
Preis: 19,90 Euro
Rezensent: Stefan von Kempis
Einsicht in etwas haben meint nicht nur das Hineinblicken, das Einsehen eines Dokumentes beispielsweise; Einsicht bedeutet auch verstehen. Geleitet von diesem Gedanken hat Aldo Parmeggiani einen neuen Interview-Band mit dem Titel „Einsichten - Prominente Frauen im Gespräch“ zusammengestellt.
Parmeggiani, Jahrgang 39, arbeitet seit mehr als 40 Jahren für Fernsehen und Rundfunk und widmet einen Großteil seiner Arbeit als Journalist der Königsdisziplin - dem Interview. Seit vielen Jahren zeichnet er als Redakteur bei Radio Vatikan für hochkarätige, tiefgründige Gesprächsreihen zu verschiedensten Themen verantwortlich. Es gelingt ihm dabei stets, prominente Persönlichkeiten der Zeitgeschichte vor das Mikrofon zu bitten. Auf sein Buch mit Bekenntnissen prominenter Männerfolgen nun 16 Einsichten in das Leben und Denken prominenter Frauen. Bei so viel Geschlechtertrennung wirf Aldo Parmeggiani im Prolog eine interessante Frage auf: Antworten Frauen gleich offen, gleich präzise wie die Männer?
Die Antwort findet sich auf den folgenden Seiten. Den Auftakt mach die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die – als mächtige Politikerin und Protestantin -doch eine beeindruckende Gebetespraxis zu pflegen scheint. Der Begründerin derMeinungsforschung in Deutschland, Elisabeth Noelle-Neumann, entlockt der Autor ein gänzlich unwissenschaftliches Geständnis aus ihrer Kindheit: „Dann haben mich die Engel besucht. Das glaube ich bis heute. Und das war das wichtigste Erlebnis in meinem Leben.“
All dies schafft Aldo Parmeggiani mit viel Liebe zum Detail, bemerkenswerter akribischer Vorbereitung und dem gebotenen Maß an Empathie. Schüsse aus der Hüfte, wie sie bei vielen Journalistenkollegen in Mode gekommen sind, wären fehl am Platz. Sonst könnte man einer renommierten Kollegin wie Sandra Maischberger – sie ist bekennende Agnostikerin- nichts zur Rolle der christlichen Gemeinschaft in ihrem Leben entlocken. Und auch die Ordenschwester Lea Ackermann spricht im Interview freimütig über Kontroversen wie neue Formen vonzölibatären Gemeinschaften, um wieder mehr Menschen für das Ordensleben zu begeistern.
Eine beiliegende Audio-CD komplettiert diesen besonderen Interviewband: Alle 16 Gespräche mit den prominenten Frauen können so, wie sie bei Radio Vatikan über den Äther liefen, nachgehört werden. Für den Leser ist an dieser Stelle die Eingangsfrage – die der Autor darüber hinaus selbst beantwortet – längst klar. Ja natürlich, Frauen antworten genauso beeindruckend wie Männer - nur anders.

|