Meldungen vom 2.7.2009
- Tauran: „Für alle Religionen muss Platz sein“ -
- Vatikan gibt Galilei-Prozessakten neu heraus -
- Indien: Erste Verurteilung in Orissa -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Gudrun Sailer
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
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THEMEN DES TAGES:
Kasachstan: Kongress der Weltreligionen ruft zu Respekt und Toleranz auf
Mit einem gemeinsamen Bekenntnis zu mehr Dialog und gegenseitigem Respekt ist am Mittwoch in der kasachischen Hauptstadt Astana der „Dritte Kongress der Weltreligionen“ eröffnet worden. 77 Delegationen aller großen Kirchen und Religionen – darunter auch eine aus dem Vatikan – beraten in Kasachstan darüber, wie man den interreligiösen und interkulturellen Dialog verbessern könnte.
In der Welt von heute müssen alle Religionen Platz haben. Das betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, in seinem Grußwort an die Kongressteilnehmer. Tauran leitet die katholische Delegation auf dem Religionstreffen in Astana.
„Unsere Zukunft ist die, für die wir uns entscheiden und die wir gemeinsam aufbauen”, so Tauran in seiner Ansprache. Der Kongress sei Ergebnis des gemeinsamen Wunsches der Religionen nach freundschaftlichen und konstruktiven Beziehungen. Dabei gebe es unterschiedliche Formen des Dialogs, erklärte Tauran:
„Die katholische Kirche unterscheidet den Dialog auf der Ebene des Lebens, des Handelns, des theologischen Austauschs und der spirituellen Erfahrung.“
Von dem Kongress erhoffe er sich vor allem Impulse für gemeinsame Aktionen für mehr Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, sagte er am Rande der Konferenz im Gespräch mit „Kathpress“:
„Wir sind nicht zufällig hier in Kasachstan zusammengekommen, einem Land, von dem die Botschaft ausgeht, dass unterschiedliche Ethnien, Kulturen und Religionen harmonisch zusammen leben können. Auch wir wollen vermitteln, dass es möglich ist, innerhalb einer Gemeinschaft die Vielfalt von Religionen und Kulturen zu leben. Dazu müssen wir einander zuhören und versuchen, uns besser zu verstehen. Religion spielt in jeder Kultur eine Rolle, umso wichtiger ist der Dialog. Nur so können wir zu einer friedlicheren Gesellschaft beitragen.“
Dabei dürfe nicht der Eindruck entstehen, alle Religionen seien mehr oder weniger gleich und damit auch beliebig. Voraussetzung für jeden Dialog seien Partner mit klaren eigenen Standpunkten. Das schließe Konsens jedoch nicht aus:
„Über die theologische Abgrenzung hinaus, gibt es gemeinsame Ansätze im Bezug auf die allgemeinen menschlichen Probleme. Man muss hier zwischen theologischen Prinzipien unterscheiden, und den gemeinsamen Werten, die sich aus diesen ergeben, zum Beispiel im Bezug auf Familie und soziale Gerechtigkeit.“
Trotz einvernehmlichem Aufruf zu mehr Zusammenarbeit, kam es schon kurz nach der Eröffnung des Treffens am Mittwoch zu Misstönen: Die iranische Delegation verließ bei der Rede des israelischen Ministerpräsidenten und Ehrengasts, Shimon Perez, den Saal. Dazu Tauran:
„Im Dialog zwischen Muslimen und Juden verläuft die Trennlinie zwischen säkularen und spirituellen Fragen nicht immer eindeutig... Einige Religionsvertreter sind hier in tagespolitische Fragen abgedriftet. Wir sind aber als Geistliche nicht als Politiker zusammengekommen…Grundsätzlich ist zu sagen, dass es nicht hilfreich ist, Gesprächspartner zu ignorieren. Um Probleme zu lösen, muss man miteinander sprechen.“
Der Kongress der Weltreligionen geht am Donnerstag zu Ende. Seit 2003 tagt er auf Initiative des kasachischen Präsidenten, Nursultan Nasarbajew, alle drei Jahre in Astana. In Kasachstan leben mehr als 130 verschiedene Volksgruppen zusammen, es gibt fast 50 unterschiedliche Religionsgemeinschaften im Land. (rv)
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Vatikan: Galileo-Prozessakten mit allen i-Tüpfelchen
Das Vatikanische Geheimarchiv hat an diesem Donnerstag die neu editierten Prozessakten der Causa Galileo Galilei vorgestellt. Herausgeber ist der Präfekt des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano:
„Zum ersten Mal liegt hiermit eine historisch-kritische, kommentierte Edition der Prozessakten vor, die Licht auf sämtliche Personen wirft, die im Prozess auftreten. Alle biblischen, patristischen und theologischen Texte – etwa die von Augustinus und Thomas von Aquin, die wichtigsten Bezugspunkte – sind nach den jeweils aktuellsten Editionen zitiert. Alle historischen Akteure sind identifiziert, bis auf einen einzigen, der weder von mir noch von anderen bisher zugeordnet werden konnte. Es handelt sich um einen Jesuitenprediger, der 1610 in Santa Maria Novella in Florenz predigte. Die Jesuiten haben nämlich leider die Register von Florenz verloren, und so bleibt der Jesuitenpater im Dunkel der Geschichte.“
Die Prozessakte sind in der neuen Edition philologisch höchst penibel wiedergegeben, bis hin zu Fragen der Groß- und Kleinschreibung. Manche Forscher hätten sich mehr „Lesbarkeit“ und weniger Texttreue gewünscht, doch Pagano rechtfertigt sein Vorgehen:
„Bei meiner Arbeit ist mir aufgefallen, dass jeder die Texte wiedergibt, wie er es für richtig hält. „Himmel“ sagen und „Himmel“ schreiben, aber möglicherweise auch „Erde“ oder „Kosmos“ oder „Sonne“, in Groß- oder Kleinschreibung – das hatte 1733 eine enorme Tragweite.“
Bischof Pagano gilt als ausgewiesener Galileo-Fachmann. Er hatte die bisher letzte Edition der Galileo-Prozessakten von 1984 herausgegeben. Zwischen 1877 und 1910 waren bereits vier Editionen der Prozessakte herausgekommen.
Der Fall Galileo ist auch heute noch lehrreich, glaubt Bischof Pagano. Die Naturwissenschaften könnten aus dem historischen Zwist lernen, „sich nicht herauszunehmen, die Kirche über Fragen des Glaubens und der Heiligen Schrift belehren“ zu wollen. Gleichzeitig lehre der Fall Galileo die Kirche, sich den wissenschaftlichen Problemen wie etwa heute der Stammzellforschung „mit viel Demut und Nachdenklichkeit“ zu nähern.
Befragt nach den Archivdokumenten über den Weltkriegspapst Pius XII. (1939-1958), bestätigte Pagano seine Aussage vor wenigen Monaten, wonach dieses Teilarchiv den Forschern in fünf bis sechs Jahren zugänglich gemacht werden könnten. So lange dauere es noch, bis die Dokumente klassifiziert und aufbereitet seien. Pagano kündigte an, die Materialien enthielten „schöne Überraschungen“ über die Rolle von Pius XII. im Zweiten Weltkrieg. (rv/kna)
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Vatikan: Kompromisslösung für einen Altar
Am Samstag wird Benedikt XVI. mit einem Vespergottesdienst die Paulinische Kapelle im Vatikan wieder ihrer liturgischen Bestimmung übergeben. Fünf Jahre lang hatten die Restaurateure der Vatikanischen Museen die Fresken Michelangelos und anderer Künstler in Arbeit gehabt. Der Altar, an dem der Papst feiern wird, ist nicht mehr der moderne von Paul VI., der ab 1975 in der Kapelle stand. In der Frage des Altars und der Zelebrationsrichtung kam es zu einem Kompromiss, erklärt Bischof Paolo de Nicolò von der Präfektur des Päpstlichen Hauses – auf ihn geht die Lösung zurück, die Benedikt XVI. letztlich wählte:
„Diese Kapelle ist zur Verehrung der Eucharistie gemacht. Hätten wir den Altar nun ganz an die Wand gerückt, so wäre der Zugang zum Tabernakel mühsam gewesen, denn der Altar, der den Priester vom Tabernakel trennt, ist ziemlich breit. Als der Heilige Vater das sah, sagte er, da müssen wir vorrangig für die Zugänglichkeit des Tabernakels sorgen. Und er sagte: nun, wir können die Heilige Messe zum Kreuz hin zelebrieren, versus populum. Außerdem, sagte der Papst, muss der Altar umschreitbar sein, damit man ihn bei der Ehrung mit Weihrauch umkreisen kann.“
Der Altar in der Paulinischen Kapelle hat insgesamt eine wechselvolle Vergangenheit. So sind weder der ursprüngliche Altar aus dem 16. Jahrhundert noch der darauf folgende aus dem frühen 17. Jahrhundert erhalten geblieben, erklärt Arnold Nesselrath, Abteilungsleiter an den Vatikanischen Museen und künstlerischer Leiter der Restaurierung der Paulinischen Kapelle.
„Was wir heute sehen, stammt aus der Zeit von Gregor XVI., also vom Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Mensa ist dann unter Leo XIII. und Pius XII. nochmals verändert worden. Dann hat Paul VI. hier einen ganz modernen Altar eingebaut, der jetzt wieder entfernt worden ist. Der Papst hat entschieden, dass die Mensa, die hier bis 1975 gestanden hat, wieder aufgestellt werden sollte, aber nicht an der Wand, sondern abgerückt, sodass man um den Altar herumgehen kann und er für jede Liturgie offen ist.“
Die Paulinische Kapelle ist eine der drei päpstlichen Privatkapellen im Vatikan. Bis 1670 fand hier das Konklave statt, bevor das Kardinalskollegium zu groß wurde und man für die Papstwahl in die Sixtina umzog. Im Gegensatz zu dieser ist die „Paolina“ eine Sakramentskapelle. (rv)
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Nahost: Gazakrieg, Anmesty International klagt an
„Einheit und Frieden für den Nahen Osten“ – diesen sehnlichen Wunsch hatte Papst Benedikt XVI. bei seiner Reise ins Heilige Land unzählige Male formuliert. Er mag dabei den jüngsten Gazakrieg zu Beginn des Jahres noch vor Augen gehabt haben. Diesen Angriff Israels gegen eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt hat nun amnesty international unter die Lupe genommen. Die Menschenrechtsorganisation kommt zu dem Schluss: Israel hat hier Kriegsverbrechen begangen. Derselbe Vorwurf geht allerdings auch an die Gegenseite, an die radikalislamische Hamas. Die ai-Nahost-Expertin Ruth Jüttner im Gespräch mit dem Kölner Domradio:
„Das eine ist die Notwendigkeit, zwischen militärischen und zivilen Zielen bei einem Krieg zu unterscheiden. Israel hat hochkomplizierte Präzisionswaffen in diesem Krieg eingesetzt, trotzdem sind viele Zivilisten, spielende Kinder, Opfer von solchen präzisen Angriffen geworden. Ein weiterer Punkt ist, dass das Völkerrecht verlangt, dass keine Waffen eingesetzt werden, die wahllos töten. Der Einsatz von weißen Phosphorbomben durch die israelische Armee im Gazastreifen ist nach unserer Einschätzung eine solche Verletzung des Kriegsvölkerrechts. Das ist eine Waffe, die hochbrennbar ist, diese Bomben sind in der Luft explodiert, haben sich verbreitet und auf der Erde schwere Brände ausgelöst. Israel hat Waffen eingesetzt, die die Zivilbevölkerung auf unverhältnismäßige Weise getroffen haben.“
Israel hatte seine Militäraktion als Gegenschlag gegen die andauernden Raketenangriffe der Hamas begründet. Auch diese Raketenangriffe der Palästinenser sind eindeutig Kriegsverbrechen, so Amnesty International.
„Weil diese Waffen eben auch wahllos töten. Die Hamas und andere bewaffnete palästinensische Gruppen haben gezielt die Zivilbevölkerung angegriffen, etwa in den Städten in Südisrael Ashkelon und Sderot, dabei sind drei israelische Zivilisten ums Leben gekommen und dutzende verletzt worden, und Tausende Familien sind aus Angst vor diesen Angriffen aus dem Gebiet geflohen. Solche gezielten Angriffe auf die Zivilisten sind eindeutig Verletzungen des Völkerrechts.“
Die Menschenrechtsorganisation fordert beide Seiten dazu auf, mit einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission zur Kriegsführung in Gaza zusammenzuarbeiten. (domradio)
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DIE NACHRICHTEN:
Europa
Deutschland
Diebe haben den Bischofsstab des bekannten NS-Gegners und Bischofs von Münster, Clemens August von Galen, gestohlen. In der Nacht auf Dienstag entwendeten sie aus der Basilika Sankt Ludgerus in Essen-Werden zudem ein wertvolles Altarkreuz aus dem Besitz des Kardinals. Bistum und Stadt reagierten geschockt. Die Täter brachen eine Eisentür auf und stahlen die Gegenstände aus Glasschaukästen, wie das Bistum Essen mitteilte. Beide Exponate gehörten zu einer Ausstellung über Kardinal von Galen, der sich als Bischof den Nationalsozialisten widersetzte und 2005 seliggesprochen wurde. Als „Löwe von Münster“ ging er in die Geschichte des Widerstands gegen Hitler ein. (kna)
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) muss nach Ansicht von Bischöfin Margot Käßmann die Bedeutung des Gottesdienstes stärker in den Blick nehmen. Die Kirche besinne sich im Zuge der Kirchenreform „zuerst auf Gottes Kraft“, sagte Käßmann am Mittwochabend in Berlin zum EKD-Reformpapier „Kirche der Freiheit“ von 2006. Es gehe darum, die Sehnsucht nach dem Gottesdienst neu zu wecken. Die Qualität des Gottesdienstes stehe tatsächlich im Zentrum des Reformprozesses, mahnte die Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Gott frage nicht gleich nach Statistiken und finanziellen oder personellen Ressourcen. So brauche die Kirche heute Aufbrüche und „geistliche Profilierung“ statt undeutlicher Aktivitäten. (kna)
Die Grünen fordern die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Dazu solle das Bürgerliche Gesetzbuch geändert und um einen Passus ergänzt werden: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“. Es gebe heute keine haltbaren Gründe, homo- und heterosexuelle Paare unterschiedlich zu behandeln, begründen die Grünen ihre Forderung. In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen und sind dann in einer Reihe von Rechtsfragen der Ehe gleichgestellt. Im Grundgesetz ist ausdrücklich der besondere staatliche Schutz der Ehe genannt. (kna)
Deutschland/Jemen
Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July hat in Stuttgart dazu aufgerufen, die im Jemen entführten bzw. ermordeten Christen nicht zu Schuldigen werden zu lassen. Er reagierte damit auf Spekulationen in den Medien, die Betroffenen hätten missioniert und trügen deshalb eine Mitschuld. Angesichts der Ermordung von zwei als Krankenschwestern tätigen Bibelschülerinnen und einer südkoreanischen Christin Mitte Juni im Norden des Jemen rief der Bischof am 2. Juli vor der württembergischen Synode in Stuttgart zur Fürbitte auf. Eine fünfköpfige Familie aus Sachsen und ein Brite – ebenfalls Christen – werden nach wie vor vermisst. Zugleich mahnte der Bischof Missionswerke und andere christliche Organisationen, „die Glaubensliebe und den Glaubensmut junger Christen in Bahnen und auf Wege zu lenken, die sie vor Gott und den Menschen verantworten können“. Es müsse immer wieder über den Zusammenhang von missionarischem und entwicklungspolitischem Engagement nachgedacht werden. Das Auftreten mancher Missionswerke und freier Werke in bestimmten Regionen dieser Welt könne „sehr kritisch“ gesehen werden. (idea)
Österreich
Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng hat eine gegen ihn eingebrachte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft als „haltlos“ bezeichnet. Die Anzeige bezieht sich auf Küngs Maßnahmen im diözesanen Priesterseminar, das 2004 nach der Veröffentlichung zweifelhafter Fotos in schwere Turbulenzen geraten war. Küng, damals Bischof von Feldkirch, hatte die Vorgänge im Seminar als Apostolischer Visitator geprüft. Die Anzeige beschuldigt den Bischof der Nötigung und gefährlichen Drohung gegen den damaligen Seminarleiter, Ulrich Küchl. In einer Stellungnahme bezeichnet der Bischof die Vorwürfe als „völlig unbegründet“. Es handle sich um den „leicht durchschaubaren Versuch seitens einer außenstehenden Person, eine innerkirchlich weitgehend geklärte Angelegenheit in Zweifel zu ziehen“. Nach den Untersuchungen durch Bischof Küng wurden der damalige Regens und sein Stellvertreter ihrer Funktionen enthoben. (kap)
Italien
Das südeuropäische Land hat an diesem Donnerstag das Einwanderungsrecht drastisch verschärft. Wer ohne gültige Papiere einreist oder sich im Land aufhält, muss in Zukunft bis zu 10.000 Euro Strafe zahlen. Ein entsprechendes Gesetzespaket verabschiedete der italienische Senat mit 157 zu 124 Stimmen bei drei Enthaltungen. Vermietern, die Ausländern ohne Aufenthaltserlaubnis eine Wohnung überlassen, drohen demnach künftig drei Jahre Haft. Zuvor hatte das Abgeordnetenhaus dem „Sicherheitspaket“ zugestimmt. Die Regierung Silvio Berlusconi setzte die Initiative mit Hilfe der Vertrauensfrage durch. Der Vatikan hatte das Gesetzesvorhaben wiederholt scharf kritisiert. (kna)
Großbritannien
Die Kirche ist zufrieden mit den neuen Leitlinien der britischen Ärztekammer über medizinische Behandlungen am Lebensende. Besonders die angestrebte Förderung von schmerzlindernden Therapien findet das Gefallen der Bischöfe von England und Wales. Weiters würdigen sie die neu festgeschriebene Verpflichtung von Ärzten zur Ernährung und Wasserzufuhr auch über Sonden, wenn diese Maßnahmen das Leben des Patienten verlängern. Selbst sprachlich gehe das Dokument sensibler mit Menschen am Lebensende um, heißt es in der Stellungnahme der Bischöfe. So soll in Zukunft nicht mehr von „künstlicher“, sondern von „klinisch betreuter“ Ernährung und Wasserzufuhr die Rede sein. Aus Sicht der Kirche stellt das Dokument, das derzeit zur öffentlichen Begutachtung ausliegt, einen großen Fortschritt zur geltenden rechtlichen Basis von 1993 dar. (rv)
Eine der ältesten Adoptionsagenturen Großbritanniens hat ihren Dienst nach 150 Jahren eingestellt. Als Grund dafür gab die „Catholic Children´s Society“ der Erzdiözese von Westminster die neue britische Gesetzgebung an, die gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern erlaubt. Dies sei mit der kirchlichen Lehre über Ehe und Familie unvereinbar, so die Adoptionsagentur. (zenit)
Afrika
Kamerun
Ja zur Schutz der afrikanischen Frau vor Gewalt und Diskriminierung - Nein zur Abtreibung. Mit dieser Stellungnahme reagieren die Bischöfe Kameruns auf eine Entscheidung des Parlaments, wonach der Präsident das so genannte „Protokoll von Maputo“ unterzeichnen kann. Das 2003 verabschiedete „Protokoll von Maputo“ behandelt afrikanische Frauenrechte in Ergänzung zur „Afrikanischen Charta der Menschen- und Völkerrechte“. Paragraph 14 besagt, dass die unterzeichnenden Staaten unter bestimmten Umständen die medizinische Abtreibung erlauben sollten, und zwar im Fall von Vergewaltigung, Inzest oder wenn die Schwangerschaft die Gesundheit bzw. das Leben der Mutter oder des Fötus gefährdet. Dieser Paragraph sei „eine offene Tür zur Legalisierung der Abtreibung in Afrika“, so die Bischöfe. Sie verweisen auf die Rede des Papstes an das Diplomatische Corps vom Anfang dieses Jahres. Benedikt XVI. hatte dabei direkt das Protokoll von Maputo genannt, das in Afrika die Abtreibung „stillschweigend banalisiere“. Bei seinem jüngsten Besuch in Kamerun habe das Kirchenoberhaupt Ärzte eindringlich zum Schutz des Lebens aufgerufen, erinnern die Bischöfe. (rv)
Asien
Indien
Ein Erzbischof in Orissa begrüßt die erste Verurteilung eines Schuldigen an den Ausschreitungen gegen Christen im Sommer letzten Jahres. Das Urteil werde das Vertrauen der Christen in das Justizsystem und in die Regierung heben, sagte Erzbischof Raphael Cheenath von Cuttack-Bhubaneswar in Orissa. Ein Gericht hatte einen Hindu für schuldig befunden, Mitstreiter zu einer Brandattacke auf das Haus eines Christen im Distrikt Kandhamal angestiftet zu haben. Der Mann wurde zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Insgesamt hatten radikale Hindus bei den viermonatigen Ausschreitungen rund 90 Christen getötet. (ucanews)
Kirchenleute befürworten die Überprüfung der so genannten „Gesetze zu Religionsfreiheit“. Der indische Innenministers Palaniappan Chidambaram hatte kürzlich verkündet, die Erlasse nochmals zu überdenken. Diese Gesetze, die in mehreren indischen Bundesstaaten in Kraft sind, stellen de facto den Religionswechsel vom Hinduismus zu anderen Religionen unter Strafe. Bemühungen, diese Rechtslage möglicherweise abzuschaffen, seien „schätzenswert“, zitiert die Agentur „ucanews“ den Sekretär der bischöflichen Kommission für interreligiösen Dialog. Diese Gesetze zielten auf Minderheiten, besonders auf Christen. Der erste indische Bundesstaat, der ein entsprechendes Gesetz 1967 angenommen hat, war Orissa. Dort war es im vergangenen Sommer zu blutigen Gewaltakten von Hindus gegen Angehörige der christlichen Minderheit gekommen. (ucanews)
Pakistan
Eine Menge von rund 600 aufgebrachten Moslems hat in einem Dorf in der Provinz Punjab Häuser von Christen mit Brandsätzen angegriffen. Das berichtet die Agentur „Asianews“ unter Berufung auf die pakistanische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden. Die Geistlichen der örtlichen Moschee hätten zuvor zu den Gewalttaten aufgerufen und die Christen der Blasphemie beschuldigt. (asianews)
Honduras
Die katholische Kirche hat sich nach wie vor nicht offiziell zu dem politischen Umsturz im Land geäußert. Der Vorsitzende der Honduranischen Bischofskonferenz, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, kehrte nach Zeitungsberichten am Sonntag, unmittelbar nach dem Umsturz, in sein Land zurück. Er wolle sich aber zunächst nicht zu der dramatischen Lage äußern, hieß es. Ebenso wenig war eine offizielle Anerkennung der neuen Regierung seitens honduranischer Bischöfe zu hören. Allerdings hatte Weihbischof Darwin Andino Ramirez aus Maradiagas Erzbistum Tegucigalpa noch am Samstag die kritische Haltung der Kirche zu dem von Präsident Zelaya geplanten Referendum bekräftigt. „Ein Christ muss auf der Seite der Legalität stehen“, zitierte ihn die Tageszeitung „La Prensa“. Unterdessen schloss die neue Regierung in Honduras hat eine Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya aus. Dieser war am Sonntag von Soldaten aus seinem Amtssitz vertrieben und ins Exil nach Costa Rica geschickt worden. Er will jedoch noch in dieser Woche mit politischem Geleitschutz in seine Heimat zurückkehren. (zenit)
Uruguay
Die Bischöfe sind erleichtert über die vorzeitige Abberufung des Oberhirten von Minas. „Der Herr möge unseren Bruder bestärken, damit er Verantwortung trägt für die Folgen seiner Handlungen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung der Bischofskonferenz von Uruguay, die gleichzeitig von „tiefem Schmerz angesichts der schweren Sünde“ spricht. Bischof Francisco Barbosa sah sich schweren Vorwürfen über sexuelle Ausschweifungen ausgesetzt. Papst Benedikt XVI. hatte das Rücktrittsgesuch des 65-jährigen „aus einem schwerwiegenden Grund“ an diesem Mittwoch angenommen. (rv)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören
Buchbesprechung
Titel: Der Vatikan und die Pius-Brüder
Autor: Wolfgang Beinert
Verlag: Herder Verlag 2009
Preis: 14,95 Euro
Rezensent: Mario Galgano
Die Pius-Brüder sind in aller Munde. Wolfgang Beinert hat darüber ein Buch herausgegeben, dass sich mit den damit verbundenen Themen auseinandersetzt. Denn bei der Diskussion um die Lefebvristen geht es schließlich um das Zweite Vatikanische Konzil und auch die Rolle des Papstes. Dazu bietet das Band mit dem Titel „Der Vatikan und die Pius-Brüder“ fundierte Hintergrundinformationen. Namhafte Theologen und Kirchenmänner bieten dazu interessante Sichtweisen. Die gesammelten Kommentare zum Thema sind kritisch. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. bezeichnet sie als fundamentalistisch und spricht ihr das Katholischsein ab. Dennoch ist das Buch ausgewogen, fair und liefert alles Wissenswerte über den Konflikt innerhalb der katholischen Kirche. Auch die Lefebvristen kommen zu Wort: Beinert zitiert nämlich Auszüge aus dem Mitteilungsblatt der Bruderschaft. Übrigens: Der Theologe und emeritierte Professor Wolfgang Beinert war ehemaliger Assistent von Joseph Ratzinger zu dessen Professorenzeit.