THEMEN DES TAGES:
Italien/Vatikan: Rabbiner „Synagogenbesuch wichtige Geste“
Papst Benedikt XVI. wird im nächsten Herbst die Synagoge in Rom besuchen. Das bestätigte der Vatikan am Freitag. Bei der jüdischen Gemeinde in Rom hat die Ankündigung positive Reaktionen ausgelöst. Der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni versteht diesen ersten Besuch Benedikts in der Synagoge am Tiberufer als Schritt der Annäherung zwischen Christen und Juden.
Gegenüber Radio Vatikan sagte Di Segni:
„Es ist eine wichtige Geste. Sie zeigt den Willen, dass wir - im vollen Bewusstsein um unsere Unterschiede - gemeinsam diesen Weg gehen und uns mit Sympathie begegnen wollen. Die Aufgabe der Christen und Juden ist ihre gemeinsame Zeugenschaft. Wir haben die Möglichkeit, gesellschaftlich nach Werten zu handeln, die wir teilen. Wenn man also die problematische, emotionale und negative Seite abzieht, kann alles daraus Folgende nur fruchtbar und gut für alle sein.“
Benedikts Brief zur Causa Williamson habe die Spannungen der letzten Tage aus dem Weg geräumt, meint Di Segni:
„Dies ist ein sehr wichtiger Brief, er überrascht uns positiv. Benedikt hat darin ja unterstrichen, dass es gerade die „jüdischen Freunde“ waren, die ihn in dieser Frage verstanden haben. Das muss man als Geste der Aufmerksamkeit gegenüber uns lesen. Die Spannungen der vergangenen Tage sind verschwunden. Es überwiegt ein Klima des guten Willens, und das ist sehr wichtig.“
Oberrabbiner Di Segni hatte Papst Benedikt bereits mehrfach in die römische Synagoge eingeladen. Ein genaues Datum für den im Herbst geplanten Synagogenbesuch steht noch nicht fest. (rv)
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Tibet: 50 Jahre nach dem Aufstand
Vor einem Jahr kam es in Tibet zu blutigen Unruhen zwischen buddhistischen Mönchen und chinesischen Sicherheitskräften. Papst Benedikt XVI. hatte damals zum Weg des Dialogs und der Toleranz aufgerufen. Der Appell des Papstes sei heute – ein Jahr nach den Unruhen und 50 Jahre nach dem Tibet-Aufstand – nach wie vor aktuell. Das sagte der Missionar und Asien-Experte Pater Giancarlo Politi im Gespräch mit Radio Vatikan:
„Ich glaube, der Appell des Papstes hat nach wie vor Gültigkeit. Frieden kann in Tibet jedoch nur entstehen, wenn man einen gemeinsamen Ausgangspunkt hat und – wenn nötig – auch Eingeständnisse macht.“
Die Folgen des Einmarschs der chinesischen Regierung in Tibet 1950 seien auch heute noch unter der tibetischen Bevölkerung spürbar. Dazu Politi:
„Was unter den Trümmern zurückbleibt, ist der Groll der Tibeter gegen eine Regierung, die ihnen fremd und weit weg ist. Die Besetzung vor 50 Jahren hat Konsequenzen in der Gegenwart. Sie hat vor allem zur Einschränkung der Religionsfreiheit geführt, die für die Tibeter fundamental ist. Sie hat zur Unterdrückung einer Kultur, einer Art der Wahrnehmung und Lebensführung geführt und erstickt jede Initiative von Menschen, die in Freiheit leben wollen.“
Tibets Forderungen nach Autonomie richteten sich nicht gegen die chinesische Regierung, meint Politi:
„Der Dalai Lama hat schon oft betont, dass Tibet die chinesische Regierung anerkennt. Tibet will nur Autonomie. Autonomie ist nicht Unabhängigkeit. Autonomie bedeutet zumindest die Region selbst zu verwalten, ebenso die Kultur und alle Aspekte der eigenen Religion. Das will aber offenbar niemand akzeptieren.“ (rv)
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Madagaskar: Politische Lage eskaliert
Die Lage im afrikanischen Inselstaat Madagaskar eskaliert. Schon seit Mitte Dezember herrschen dort bürgerkriegsähnliche Zustände. Mindestens 130 Menschen starben bei den Auseinandersetzungen. Grund ist ein Machtkampf zwischen Präsident Marc Ravalomanana und der Opposition, die ihm diktatorische Methoden vorwirft. An diesem Samstag hat nun die Opposition nach eigenen Angaben die Macht übernommen. Oppositionsführer Andry Rajoelina hat den Präsidenten aufgefordert, binnen vier Stunden sein Amt niederzulegen.
Mit der politischen Krise verschlimmert sich auch die Lage für die Zivilbevölkerung, sagte uns der Direktor des Don-Bosco-Radios in Antananarivo, Pater Cosimo Alvati:
„Seit fast zwei Wochen gibt es hier ständig Plünderungen, sowohl in den Betrieben, als auch in Supermärkten und privaten Häusern und Wohnungen. Der Konflikt wird die Armut im Land weiter verschärfen, soviel steht fest.“
Im politischen Chaos, sei es momentan vor allem die Kirche, die als Vermittler auftrete:
„Der ökumenische Rat der Kirchen, unter dem Erzbischof von Antananarivo, ist um ein Treffen zwischen der Opposition und der Regierung bemüht. Gerade der Erzbischof meldet sich jetzt verstärkt öffentlich zu Wort und versucht, die Wasser zu beruhigen, so dass sich beide Parteien zusammensetzen.“
Über den weiteren Verlauf der politischen Ereignisse, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren, so Pater Alvati. Fest stehe allerdings:
„Die Opposition hat klare Bedingungen gestellt: Wir kehren nur an den Verhandlungstisch zurück, wenn Präsident Ravalomanana zurücktritt.“ (ap/misna/rv)
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Papst: „Gläubige müssen Liturgie treu bleiben“
Katholiken müssen mehr denn je ihren Glauben auf die Eucharistiefeier stützen. Dazu ruft Papst Benedikt XVI. auf. Er sprach am Freitag im Vatikan zu den Teilnehmern der Vollversammlung der Gottesdienst-Kongregation. Dabei warnte der Papst vor einem oberflächlichen Verständnis des Abendmahlgeheimnisses. Die Gläubigen sollten vielmehr der von der Kirche anvertrauten Liturgie treu bleiben, so Benedikt. Wörtlich sagte er:
„Denn in der Eucharistiefeier erleben wir die grundlegende Verwandlung von Gewalt in Liebe sowie von Tod in Leben. Sie führt zu weiteren Verwandlungen. Diese Feier hat das Ziel, dass Brot und Wein in Fleisch und Blut umgewandelt werden. Doch dies allein genügt uns nicht - im Gegenteil: Ab dieser Verwandlung beginnt etwas Neues für uns. Der Körper und das Blut Christi werden uns geschenkt, damit wir selber eine Umwandlung durchmachen.“
Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hätten viele Bischöfe einige Schwierigkeiten erlebt. So sei eine „gewisse Konfusion“ hinsichtlich der Heiligen Messe und der eucharistischen Anbetung entstanden. Papst Benedikt XVI.:
„Denn zwischen der Feier der Eucharistie und der Anbetung des Altarsakramentes besteht eine innere Beziehung. Sie besteht in der Einheit des lebendigen Herrn mit seinem mystischen Körper. Das habe ich den Jugendlichen beim Kölner Weltjugendtag 2005 auf dem Marienfeld erklärt. Damals sagte ich, dass Gott nicht mehr nur vor uns steht wie ein anderes Wesen. Vielmehr ist Gott in uns und wir sind in ihm.“ (rv)
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Rund 100 Medienbischöfe haben Papst Benedikt XVI. in einem gemeinsamen Brief ihrer Solidarität und Treue versichert. Der Chef des päpstlichen Medienrates, Erzbischof Claudio Celli, übergab das Manifest an Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, wie die Katholische Nachrichtenagentur berichtet. Mit dieser Initiative reagierten die Oberhirten auf den jüngsten Papstbrief zur Traditionalisten-Affäre. Die Medienbischöfe aus aller Welt hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Seminar im Vatikan versammelt. Thema des Treffens waren „Neue Perspektiven für die kirchliche Kommunikation“. (kna)
Der Holocaust-Leugner Richard Williamson habe dem jüdisch-christlichen Dialog letztlich „einen Gefallen getan“. Das sagte der Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), Rabbiner David Rosen, am Donnerstag gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur in Rom. Die Debatte um den Traditionalisten-Bischof habe den positiven Einsatz der Kirche für das Judentum ins Licht gerückt. Außerdem stünde jetzt die Pius-Bruderschaft unter besondere Beobachtung, so Rosen. Der Rabbiner war am Donnerstag als Mitglied einer Delegation des israelischen Großrabbinats zu Gast im Vatikan. Die jüdischen Vertreter wurden auch von Papst Benedikt XVI. empfangen. Beeindruckt zeigte sich Rosen vom jüngsten Brief Benedikts zur Sache Williamson und die darin geäußerte Wertschätzung des Papstes für seine jüdischen Freunde. Wörtlich sagte Rosen er sei „berührt von diesem Kompliment für die jüdische Seite“. (kna)
Der Inselstaat Malta ist eine Brücke zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Darauf wies Papst Benedikt XVI. an diesem Samstagvormittag hin. Er empfing den Präsidenten der Republik, Edward Fenech Adami. Im Anschluss traf der maltesische Präsident den vatikanischen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Bei den Unterredungen wurden verschiedene Themen angesprochen. Dabei wurde auf die Situation des Inselstaates hingewiesen sowie den Beitrag, den Malta für die internationale Gemeinschaft leisten könne. Malta liege an einem geographisch bedeutenden Ort im Mittelmeer und sei deshalb eine Brücke zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Papst Benedikt XVI. und Präsident Fenech Adami haben des Weiteren die Rolle der katholischen Kirche in der maltesischen Gesellschaft gewürdigt. (rv)
Die Zusammenarbeit zwischen Bischöfen und Priestern sowie Ordensleuten muss gefördert werden. Darauf wies Papst Benedikt XVI. den Bischöfen aus Argentinien hin, die an diesem Samstag zu ihrem Ad-Limina-Besuch im Vatikan waren. Benedikt XVI. fügte an, dass die Kooperation der Bischöfe mit den Priestern eine geistliche Übung der kirchlichen Einheit sei. Die Oberhirten müssten aber gleichzeitig dafür sorgen, dass Fehler in den Gemeinden korrigiert werden. Dies müssten sie immer in barmherziger und vorsichtiger Art und Weise tun. Weiter müsse die Ehe- und Familienseelsorge besonders gefördert werden. Auch sollten die Bischöfe die Aktivitäten der Ordensgemeinschaften in den Diözesen unterstützen. (rv)
Die Katholische Integrierte Gemeinde hat einen neuen eigenen Lehrstuhl an der Päpstlichen Lateran-Universität eingeweiht. Die Gemeinde ist 1968 in München entstanden. Sie bemüht sich um die Freundschaft zwischen Juden und Christen. Deshalb nahmen bei der Lehrstuhl-Einweihung Kurienkardinal Walter Kasper und der israelische Vatikan-Botschafter Mordechai Lewy teil. Kardinal Kasper hoffe, dass der neue Lehrstuhl einen wichtigen Beitrag für den jüdisch-christlichen Dialog leisten werde. Das sagte er beim Festakt. – Der Lehrstuhl mit dem Titel „Theologie des Volk Gottes“ hat seine Arbeit bereits im vergangenen Wintersemester aufgenommen. Inhaber der Professur ist der Dogmatiker und Ratzinger-Schüler Ludwig Weimer. (rv/kipa)
Europa
Österreich
Die Organisation „Aktion Leben“ fordert ein Verbot für die Forschung an embryonalen Stammzellen in Österreich. Der Embryo sei „kein Rohstoff“, betonte die Generalsekretärin des Vereins, Martina Kronthaler, in einer Pressemitteilung vom Freitag. Darin appellierte sie an die Bioethikkommission des Bundeskanzlers, die am Montag über das Thema beraten wird, „keine Empfehlung für die Forschung an embryonalen Stammzellen in Österreich auszusprechen“. Die Bundesregierung solle Stammzellenforschung vielmehr „eindeutig verbieten“ und stattdessen ethisch unbedenkliche Forschung fördern. - Kronthaler verweist darauf, dass es beispielsweise mit adulten Stammzellen ethisch unbedenkliche Alternativen gebe, für die kein Embryo vernichtet werden müsse. Derzeit ist es in Österreich zwar nicht erlaubt, embryonale Stammzellen zu gewinnen. Sie dürfen aber für Forschungszwecke genutzt werden. Auch der Import von embryonalen Stammzellen ist bisher gesetzlich nicht geregelt. (pm)
Amerika
Brasilien
Die Bischofskonferenz hat zur Abtreibung nach der Vergewaltigung eines 9-jährigen Mädchens Stellung bezogen. Vor allem sei Vergewaltigung ein schwereres Vergehen als die Abtreibung. Nach dem Kirchenrecht sind diejenigen automatisch von den Sakramenten ausgeschlossen, die sich aktiv an einer Abtreibung beteiligen. Bisher sei jedoch unklar, wer sich die Exkommunikation zugezogen habe, so die Bischofskonferenz laut KNA. Denn das hänge auch vom Gewissen der Beteiligten ab. Die Ärzte wie auch die Mutter hatten beste Absicht und wollten das Leben der Schwangeren retten. Der Vergewaltiger sei jedenfalls aus der Kirche ausgeschlossen, da er eine Todsünde begangen habe. Das Gesetz Gottes zähle mehr als das Kirchenrecht. (kna)
Vereinigte Staaten
436 Millionen US-Dollar für die Folgen von Missbrauchsfällen haben die US-Diözesen im vergangenen Jahr bezahlt. Davon kamen 23 Millionen Dollar zur Vorbeugung sexuellen Missbrauchs von Kindern zugute. Das teilten die Bischöfe am Freitag in Washington mit. Sie stellten den „6. Jahresbericht zum Schutz von Kindern und Jugendlichen“ vor. Demnach lag die Zahl der Missbrauchsklagen gegen Kirchenmitarbeiter 2008 mit 803 Fällen um 16 Prozent höher als 2007. In fast allen Bistümern gelten spezielle Bestimmungen zum Kinderschutz. Zu den Maßnahmen gehören die Überprüfung des Personals und Freiwilliger, Anti-Missbrauchs-Training für Kinder sowie harte Strafmaßnahmen bei Verstößen. (rv/kna)
Vereinte Nationen/Sri Lanka
Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hat die Regierung von Sri Lanka und die tamilischen Rebellen am Freitag dazu aufgerufen, ihre Kämpfe einzustellen. Dadurch solle die Evakuierung von etwa 180.000 gefährdeten Zivilisten ermöglichen. Wie die Nachrichtenagentur „misna“ berichtet, habe Pillay beide Seiten des Konflikts beschuldigt, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Streitkräfte der Regierung hätten zudem kampffreie Zonen angegriffen. Mehr als 2.800 Zivilisten könnten seit Ende Januar getötet worden sein, so Pillay. Die Regierung in Colombo wies die Vorwürfe zurück und sagte, die UNO stütze sich auf Informationen der Tamil-Rebellen. Sri Lankische Streitkräfte haben die Rebellen im Nordosten des Inselstaates umzingelt, Zehntausende Zivilisten dürften dort in der Falle sitzen. (misna)
Woher stammt das schwarze Schaf? Die alte Schachtel ist nicht aus Pappe. Diese beiden Titel sind bereits im Deutschen Taschenbuch-Verlag erschienen.
Autor ist Wolfgang Seidel, Übersetzer und Autor aus München. Im Dezember 2008 hat er ein weiteres Taschenbuch vorgelegt mit dem Titel: Wo die Würfel fallen/Worte, die Geschichte machten.
Hier werden bekannte Begriffe, Schlagworte und Redewendungen genauer unter die Lupe genommen, ihre Herkunft und Bedeutung in kurzen Abschnitten erläutert. Der Leser hat sein helles Vergnügen, wenn er vom Papiertiger hört, vom Globalen Dorf, von Flower-Power oder von dem Spruch: Unter den Talaren - Muff von tausend Jahren.
Die einzelnen Artikel sindebenso sachlich erhellend wie unterhaltsam verfasst , wenn es z.B. um den roten Faden geht, um die geisterhaften Zeichen, Menetekel genannt, um den Furor Teutonicus, das Dritte Rom, einen Canossagang, die Goldene Bulle und schließlich um den Letzten Seufzer.
Wir könnten, wie auf dem Klappentext zu lesen ist, ein buntes Kaleidoskop von Wortgeschichten anführen. Vom Informations- und Bildungswert mag sich der Leser selbst überzeugen. Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall.